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Blick auf das Ensemble mit Industrieanlagen und dem neuen Hotel. | Bild: Piet Niemann/DMAA

Bauen im Bestand, Sanierung

Übernachten im ehemaligen Getreidesilo

In Bremen ist nach Plänen des Büros Delugan Meissl Associated Architects (DMAA) aus einem Kellogg’s Getreidesilo ein außergewöhnliches Hotel geworden.
 

Hotelhalle mit Sitzgelegenheiten. An der Decke befinden sich große Kronleuchter und trichterförmige Auslässe.
Trichterförmige Auslässe der Silos in der Hotellobby
Bild: Piet Niemann/DMAA

In der Bremer Überseestadt ist in den Betonröhren des in den 1970er-Jahren für Kellogg’s erbauten Getreidesilos, in denen damals bis zu 5.000 t Mais, Weizen und Hafer lagerten, ein außergewöhnliches Hotel entstanden: das John & Will Silo-Hotel by Guldsmeden.

Idee des Entwurfs

DMAAs Entwurfsidee ging mit der Beauftragung des Bauherrn einher, den Industriecharakter und die Symbolkraft der Silos auf jeden Fall zu bewahren. Unter dem ikonischen roten Schriftzug „Kellogg’s“ erhebt sich die Kontur der charakteristischen 40 m hohen Silos, die nun in ihren Schalungen 117 kreisrunde und halbkreisförmige Hotelzimmer beheimaten. Der niedrigere Anbau, der ehemals als Vitaminlager genutzt wurde, beherbergt nach seinem Umbau auf fünf Geschossen Büroräume und Konferenzsäle und am Dachgeschoss eine Eventfläche mit Weitblick.
 

Ehemaliges Silogebäude mit ausgefrästen Fensteröffnungen.
Hotel "John & Will" im ehemaligen Getreidesilo
Bild: Piet Niemann/DMAA

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Herausforderung: Erhalt der Silo-Form für die neue Nutzung 

Bei der Planung waren vorab viele Frage zu lösen: Wie sollte Tageslicht in die Siloröhren gelangen, wie sollten Böden für die neuen Geschosse darin entstehen und wie die Logistik hierfür auf der Baustelle bewerkstelligt werden?

Um Abbruchmaterial zu entfernen und neues Material für die Böden einzubringen, errichteten die Handwerkerinnen und Handwerker ein neues Treppenhaus zwischen dem Vitaminlager und den Silozylindern, das auch der Haupterschließung des Hotels dient. Hierfür waren umfangreiche Aussteifungen und Abfangungen in Stahlbauweise erforderlich. Der Materialtransport erfolgte über die Dachöffnung des Treppenhauses mit Hilfe eines 60 m hohen Turmdrehkrans.
 

Detailaufnahme der Betonringe des ehemaligen Silos mit Fenstern.
In die 16 cm dicken Betonringe des Silos wurden Fensteröffnungen gefräst.
Bild: Piet Niemann/DMAA

Vom Speicher zum Zimmer

Die Verwandlung vom Speicher zu Zimmern gelang, indem Fensteröffnungen in die 16 cm dicken Betonringe gefräst wurden. Markant schmale Schlitze gewähren in unterschiedlichen Höhen Aussicht auf die Weser. 

Um eine Erschließung der Zimmer zu ermöglichen, wurden verbindende Strukturen zwischen den Silos aufgeschnitten. Allein im Hotelbereich mussten 3500 m³ Betonmassen ausgefräst und per Schubkarre abtransportiert werden. 

Für die neuen Fensterbänder schnitt die Firma Kamü Öffnungen in die runden 16 cm dicken Betonwände. Hierfür verwendeten sie eine von innen an der Außenwand mit Schienen befestigte Spezialsäge. „Das sind Sägen, die speziell für dieses Projekt in Holland angefertigt wurden“, erinnert sich Torben Handschuh, Leiter des Bereichs Bau bei der Überseeinsel GmbH. 

Die Bauarbeiter zogen die ausgeschnittenen Wandstücke mit einem Seilzug nach innen und zerlegten sie anschließend in kleinere Teile. Um im Grundriss eine sinnvolle Nutzung der Röhren als runde Hotelzimmer zu erreichen, um diese von innen her zu erschließen und nicht zuletzt, um das Betonabbruchmaterial abtransportieren zu können, schnitten die Handwerker die Betonröhren 1 bis 2 m breit auch nach innen auf. Nur im zehnten Obergeschoss gibt es größere Öffnungen nach innen. „Aus statischen Gründen war dies in den Geschossen darunter nicht möglich“, sagt Torben Handschuh.
 

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Bild: SANALRENK / Getty Images

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Rund 4000 m Betonschneidearbeiten waren hierfür insgesamt erforderlich, bei denen etwa 3500 m3 Betonabbruchmaterial entstanden, das die Handwerker per Schubkarre zum neuen Treppenhaus abtransportieren mussten, wo es vom Kran herausgehievt wurde. Dabei gingen die Handwerker von unten nach oben vor. Immer wenn die Betonsägearbeiten abgeschlossen waren, wurde eine neue Decke darüber betoniert. Wenn diese ausgehärtet war, diente sie als Arbeitsebene für die Betonsägearbeiten im folgenden Geschoss.

Die Öffnungen verschlossen die Handwerker mit schlanken Metallfenstern in Dreifachverglasung. Die neuen Lichtschlitze durchbrechen den massiven Beton und eröffnen auf jeder Etage überraschende Blicke auf die Weser.

Die trichterförmigen Auslässe der Silos wurden in der Gestaltung der Hotellobby integriert.
 

Lichtdurchflutete Lobby mit Auslässen der ehemaligen Silos an der Decke. In der Mitte der Lobby sitzt eine Person auf einer Couch.
Hotellobby mit Siloauslässen Bremen
Bild: Piet Niemann/DMAA

Betonsanierung teilweise erforderlich

Der Beton der Siloröhren blieb weitgehend unberührt – roh, rau und authentisch. Hier und da war partiell eine Betonsanierung erforderlich. Zum Teil waren Eisen der Betonbewehrung sichtbar oder Risse zeigten an, dass korrodierte Bewehrung unter dem Beton lag. Hier wurde eine Betonsanierung durchgeführt, deren Spuren ebenfalls sichtbar belassen wurden. Das alles verleiht auch den Hotelzimmern jenen industriellen Charme, den die erhalten gebliebenen Auslässe unter den Siloröhren in der Hotellobby bereits beim Betreten des Gebäudes vermitteln.
 

Preisgekrönt

Durch die Umnutzung des Kellogg’s Getreidesilos auf der Bremer Überseeinsel entstand ein einzigartiges Hotel, bei dem viel vom industriellen Charme des Bestandes erhalten geblieben ist. Für diese kreative Umnutzung erhielt das Projekt nun den Sonderpreis „Umbaukultur in der zirkulären Stadt“ des Deutschen Städtebaupreises 2025 und hat damit einen ausgewiesenen Vorbildcharakter.
 

Autor

Anke Templiner

Redaktion BauPortal