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Dach- und Zimmererarbeiten, Absturzprävention

Der 6. Deutsche Fachkongress für Absturzsicherheit in Gelsenkirchen

6. Fachkongress für Absturzsicherheit 2022 in Gelsenkirchen

© Mario Ahlers-Ullmann - Bauverlag

Absturz ist die häufigste Ursache für schwere und tödliche Arbeitsunfälle am Bau. Wie sicheres Arbeiten an hochgelegenen Arbeitsplätzen gelingen kann, thematisierte der 6. Deutsche Fachkongress für Absturzsicherheit, der am 29. und 30. November 2022 in der Veltins-Arena in Gelsenkirchen stattfand. Im Fokus der Veranstaltung stand die Sanierung des Gasometers in Oberhausen, deren Umsetzung in verschiedenen Vorträgen beleuchtet wurde. Eine Exkursion zum Gasometer rundete den Fachkongress ab.
 

Gruppe von Menschen, die sich auf dem umzäunten Dach des Gasometers befindet und einer Person, die etwas erklärt, zuhört.
Besichtigung des Dachs des Gasometers
Bild: Anke Templiner - BG BAU


Wie auch in den vergangenen Jahren ging es beim 6. Deutschen Fachkongress für Absturzsicherheit um Absturzgefahren und darum, wie hochgelegene Arbeitsplätze durch gute Planung und effektive Hilfsmittel sicherer werden können. Schwerpunkt im Programm – gleich drei Vorträge beschäftigten sich damit – waren die Maßnahmen, die bei der Gasometer-Sanierung durchgeführt wurden. Darüber hinaus gab es Vorträge zum Thema Absturzunfälle und deren Folgen sowie Beispiele für Absturzsicherheit aus der Praxis. Parallel zu den Veranstaltungen konnten sich die Teilnehmenden im Ausstellungsbereich über aktuelle Lösungen zur Absturzsicherheit informieren.

Veranstaltet wurde der Kongress wieder vom Bauverlag: Zu Beginn des Fachkongresses wurden die Teilnehmenden durch die Veltins-Arena geführt, der Heimspielstätte des FC Schalke 04. Am zweiten Tag stand eine Exkursion zum Gasometer Oberhausen an.
 

Jeanette Schmitz spricht mit Mikrofon im Foyer des Gasometers. Über ihr hängt eine goldene Gasdruckscheibe.
Gasometer-Geschäftsführerin Jeanette Schmitz (oben) erläuterte die Geschichte und die aktuelle Nutzung des Bauwerks.
Bild: Anke Templiner - BG BAU


Dach- und Tragwerkskonstruktion der Veltins-Arena

Die Veltins-Arena wurde 2001 nach knapp dreijähriger Bauzeit fertiggestellt und bietet Platz für 62.000 Zuschauerinnen und Zuschauer. Besonders spannend ist hier die Dachkonstruktion. Die Dachteile wurden auf dem späteren Spielfeld zu bis zu 100 t schweren, 15 m hohen und 50 m langen Baugruppen als Schweißkonstruktion in Zulagen vormontiert und dann von einem schweren Raupenkran in Position gebracht. In dieser Phase lagen die Baugruppen auf dem oberen Tribünenrand sowie auf acht Hilfsstützen auf. Um dem Lastfall „Bergsenkung“ Rechnung zu tragen, wurden die Hauptbinder auf den dem äußeren Oval folgenden Pendelstützen aufgelagert. Den Fußpunkt bildet ein Kalottenlager, um vertikale und horizontale Verschiebungen zu gewährleisten. Der mittlere, genau über dem Spielfeld gelegene bewegliche Teil des Dachs kann in 30 Minuten geöffnet oder geschlossen werden. Für die Konstruktion des festen Dachbereichs wurden ca. 3.600 t Stahl verbaut, das bewegliche Dach-Segment wiegt ca. 600 t. Das als Fachwerkkonstruktion ausgelegte Dach ist aus Rundhohlprofilen gefertigt und überspannt mit 226 m × 186 m das gesamte Spielfeld und die Tribünen.


Im Fokus: die Sanierung des Gasometers Oberhausen

Thematischer Schwerpunkt der Veranstaltung war die Sanierung des Gasometers Oberhausen. Mit der Planung der Sanierungsmaßnahmen wurde das Büro Lindner Lohse Architekten BDA aus Dortmund beauftragt. David Auerbach, geschäftsführender Partner des Architekturbüros, stellte auf dem Fachkongress in Gelsenkirchen das Sanierungskonzept vor.
 

Vortragsraum mit an Tischen sitzenden Teilnehmenden. Vorne referiert David Auerbach an einem Pult.
David Auerbach stellt das Sanierungsprojekt am Gasometer Oberhausen vor.
Bild: Mario Ahlers-Ullmann - Bauverlag


Um die Außenhülle des Gasometers zu sanieren, mussten zunächst Anbauteile wie Treppen und Ausbläser demontiert werden – diese Arbeit übernahmen Industriekletterer der Firma Höhenhandwerk aus Essen. Dessen Inhaber Peter Peilert stellte auf dem Kongress die Montagearbeiten an der Außenhülle des Gasometers vor. Sein Betrieb war mit Industriekletterern bei jedem Wetter vor Ort, um die bis zu 1,5 t schweren Treppen und Gasausbläser zu demontieren und später wieder an der Gebäudehülle zu befestigen.
 

Peter Peilert erklärt anhand einer Folie den Teilnehmenden des Fachkongress für Absturzsicherheit die Höhenarbeiten bei der Sanierung des Gasometers.
Peter Peilert von Höhenhandwerk berichtet über seine Aufgaben bei der Sanierung des Gasometers.
Bild: Mario Ahlers-Ullmann - Bauverlag
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Dachfläche des Gasometers mit zwei Ausbläsern.
Dachfläche des Gasometers mit zwei Ausbläsern
Bild: Anke Templiner - BG BAU
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Den Arbeits- und Umweltschutz bei diesem Sanierungsprojekt stellte Klaus-Dieter Wolf vor, der als SiGeKo die Sicherheit und Gesundheit der Beschäftigten vor allem bei den Strahl- und Beschichtungsarbeiten im Blick hatte (mehr zur Sanierung des Gasometers hier)
 

Klaus-Dieter-Wolf spricht mit Mikrofon von der Präsentationsbühne zum Publikum.
SiGeKo Klaus-Dieter-Wolf berichtet über die Sanierungsarbeiten.
Bild: Mario Ahlers-Ullmann - Bauverlag


Keynote zum Status quo der Absturzsicherheit

In seiner Keynote erläuterte Prof. Dr.-Ing. Marco Einhaus, Referatsleiter Hochbau bei der BG BAU, wie aus Unfallanalysen von Abstürzen neue Anpassungen für Regelwerke erfolgen. Die Zahlen belegen, dass Absturz die häufigste Ursache für schwere und tödliche Unfälle auf Baustellen und Arbeitsplätzen von baunahen Dienstleistungen ist. So ereigneten sich im Jahr 2021 4.054 schwere Absturzunfälle – einzig nur bei Höhen- und Dacharbeiten. Allein für Unfälle mit Leitern zahlte die BG BAU rund 300 Mio. EUR an Entschädigungsleistungen – beispielsweise für Heilbehandlung, Verletztengeld, Renten sowie Leistungen an Hinterbliebene. Das zeigt: Insbesondere das Arbeiten auf Leitern und Gerüsten birgt viele Gefahren.

Um dieses Risiko anzugehen, hat die BG BAU bereits vor etlichen Jahren aktiv an der Novellierung der TRBS 2121 im Jahr 2018 mitgewirkt und ihre Unterstützung für Mitgliedsunternehmen dementsprechend angepasst. So gibt es neben den Arbeitsschutzprämien, mit denen die Anschaffung sicherer Produkte und Lösungen wie leichte Plattformleitern gefördert wird, auch ein E-Learning-Modul zur Fachkunde Absturzprävention an. Doch auch alle technischen Weiterentwicklungen und Maßnahmen nutzen nichts, wenn sie in der betrieblichen Praxis nicht um- bzw. eingesetzt werden. Mit der Novellierung der TRBS 2121 wurden die Grundlagen für sicheres Arbeiten in der Höhe geschaffen. Jetzt gilt es, diese Regeln in der Praxis umzusetzen. Hier könnte eine gesunde Fehlerkultur, die sogenannte No Blame Culture, im Betrieb beitragen, das Verhalten der Beschäftigten wirksam zu verändern.
 

	 Marco Einhaus steht bei seinem Vortrag vor einer Folie.
Keynote von Prof. Dr.-Ing. Marco Einhaus auf dem Fachkongress für Absturzsicherheit
Bild: Mario Ahlers-Ullmann - Bauverlag


Arbeitsschutz und Absturzsicherheit aus juristischer Sicht

Bei den beiden Vorträgen von Manuela Reibold-Rolinger und Dr. Florian Schrammel ging es um Verantwortlichkeiten und Konsequenzen, die sich aus der Bautätigkeit ergeben. 

Dr. Florian Schrammel, Fachanwalt für Bau- und Architektenrecht, informierte in seinem Vortrag über das Thema Absturzsicherheit und Betreiberverantwortung.
Aktuelle Rechtsfälle zu Absturzunfällen und deren gerichtliche Bewertung stellte Manuela Reibold-Rolinger vor. Die Fachanwältin für Bau- und Architektenrecht sensibilisierte die Teilnehmenden für Haftungsfragen und sorgte für lebendige Diskussionen.
 

Manuela Reibold-Rolinger bei ihrem Vortrag.
Rechtsanwältin Manuela Reibold-Rolinger bei ihrem Vortrag zur Rechtsprechung
Bild: Mario Ahlers-Ullmann - Bauverlag


Absturzsicherheit in der Praxis

Abschließend ging es um das Thema Absturzsicherheit in der Praxis bei Hochhausbaustellen, vorgestellt von Dipl.-Ing. Björn Kaas. Er ist Sicherheitsingenieur und Leiter der Arbeitssicherheit beim Bauunternehmen Porr GmbH & Co. KG. In seinem Vortrag betonte er, dass Absturzsicherheit bereits in der Planungsphase beginnt und sich nicht auf die Phasen des Hochbaus beschränkt, sondern schon in der Baugrube bedacht werden muss. Alle Bauaufgaben müssen so geplant sein, dass diese absturzsicher und unter Einhaltung des TOP-Prinzips umgesetzt werden können. 


Angebote zur Absturzsicherung

Ergänzend zu den Fachvorträgen stellten Kevin Schmidt von ABS Safety und Jörg Kilian von der Wilhelm Layher GmbH & Co. KG in den Blitzlichtvorträgen ihre Produkte und Lösungen zur Absturzsicherung vor. ABS Safety bietet mit dem „ABS Lock Book“ eine Online-Anwendung zur Planung, Montage und Dokumentation von Sicherungssystemen auf dem Dach. Layher präsentierte mit dem „AGS“-Fassadengerüst ein System in modularer Bauweise für den kollektiven Arbeitsschutz. Am Messestand der beiden Hersteller gab es für Interessierte dann noch weiterführende Informationen zu den Lösungen.
 

Der Informationsstand der BG BAU mit großer bedruckter Leinwand im Hintergrund und Messetisch, an dem mehrere Männer stehen, im Vordergrund.
Die BG BAU informierte über ihre Angebote für Absturzsicherheit.
Bild: Anke Templiner - BG BAU


Im Ausstellungsbereich gab es zudem einen Infostand der BG BAU, an dem die Angebote für Absturzsicherheit bei Bautätigkeiten vorgestellt wurden. Erstmals wurde auch über den neuen Service für Architekten und Ingenieure „Arbeitsschutz für Planer“ informiert.
 

Webportal „Arbeitsschutz in der Planungsphase“: Neuer Service der BG BAU für Architekten und Ingenieure

Screenshot  des Webportals "Arbeitsschutz in der Planungsphase".
Screenshot des Webportals "Arbeitsschutz in der Planungsphase"
Bild: Martin Rolf - BG BAU

Arbeitsschutz auf Baustellen beginnt nicht erst mit dem Bauen, sondern schon mit der Planung. Deshalb bietet die BG BAU einen neuen Service für Architekten, Ingenieure und Eigenbauer, der erstmals am Infostand der BG BAU auf dem 6. Fachkongress für Absturzsicherheit vorgestellt wurde.

Wie lassen sich Abstürze auf Baustellen verhindern, Staub und Lärm minimieren? Und wer ist für Verkehrswege eines Projekts oder die Sanitätsräume vor Ort zuständig? Fragen, die nicht erst mit Baubeginn, sondern schon weit im Vorfeld zu beantworten sind, um umfassenden Arbeitsschutz zu gewährleisten. Denn: Bei fast allen Bauprojekten müssen Dutzende Gewerke mit ihren spezifischen Gefährdungen beachtet werden. Idealerweise überlegt der Auftraggeber mit seinen Planern bereits in frühen Planungsphasen, wie er Arbeitsunfälle und Gefährdungen beim Bauen und der Nutzung vermeiden kann.

Damit Arbeitsschutz und zügiges Bauen störungs- und verzögerungsfrei zusammengehen, bietet die BG BAU jetzt einen neuen Service: das Webportal „Arbeitsschutz für Planer“. Hier finden Projektbeteiligte nun online gebündelt auf einer speziellen Themenseite die Arbeitsschutzregelwerke wie auch Regeln, Informationen und Checklisten für Abbruch, Ausbau, Roh- und Tiefbau sowie Gebäudedienstleistungen. So erfahren Fachleute und Eigenbauer, was konkret und aktuell zu beachten ist, um Arbeitsunfälle und spätere Berufskrankheiten zu vermeiden – alles unter dem Motto „Sie planen. Wir informieren. Gemeinsam sorgen wir für mehr Sicherheit auf Baustellen“. Der neue Service für Planer ergänzt die bisherigen Angebote der BG BAU. Sie reichen von Informationsmaterial zu Allgemeinem und Schwerpunktthemen über spezielle Seminare für Führungs- und Aufsichtspersonen bis zu konkreten Präventionsprogrammen und Arbeitsschutzprämien.
 

Autor

Anke Templiner

Redaktion BauPortal


Ausgabe

BauPortal 1|2023