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Digitalisierung, Ausbau

Projekt DigiGAAB: digital unterstützter Gesundheits- und Arbeitsschutz im Ausbauhandwerk

Blick auf Teilnehmende des Zukunftstages, die an Tischen sitzen.
Bild: Kompetenzzentrum für Ausbau und Fassade


Gemeinsam mit den Beschäftigten des Ausbauhandwerks wurden im Rahmen des Projekts DigiGAAB digitale Lösungen zur Integration des Arbeitsschutzes in den Alltag von Ausbauunternehmen entwickelt. Die Ergebnisse des Projekts wurden am 21. Juni 2022 auf dem Zukunftstag „Digital meets Klima“ im Branchenzentrum für Ausbau und Fassade in Rutesheim vorgestellt.
 

Im Rahmen des Förderprojekts DigiGAAB erforschte und erprobte das Projektkonsortium Möglichkeiten, den Arbeitsschutz durch Integration in digitalisierte Geschäftsprozesse bei kleineren und mittleren Unternehmen entscheidend zu verbessern.
 

Erste Schritte

Hierzu wurden zunächst die relevanten Geschäftsprozesse gemeinsam mit beteiligten Unternehmen identifiziert und beschrieben. Bei der nachfolgenden Optimierung verwendete man die grafische Spezifikationssprache BPMN (Business Process Model and Notation). Der ISO-Standard der Prozessbeschreibung BPMN 2.0 stellt Symbole zur Verfügung, mit denen sich Geschäftsprozesse und Arbeitsabläufe modellieren und dokumentieren lassen. Die abstrakte Symboldefinition erlaubt eine übergreifende Betrachtung sowohl menschlich als auch maschinell (bzw. durch IT) ausgeführter Prozesse. Mithilfe der Prozessmodellierung werden Beteiligte, Aktivitäten und Entscheidungen in den Prozessen grafisch eindeutig abgebildet, sodass klar ist, wer was wann macht. Sämtliche Kern-, Teil- und Unterstützungsprozesse eines typischen Stuckateurbetriebs wurden in einer Prozessdatenbank aufgenommen und mit den jeweils relevanten „Wissensbausteinen“ des Arbeitsschutzes verknüpft.
 

Der „GDA-ORGAcheck“

In einem weiteren Schritt entwickelte die BG BAU als Projektpartner gemeinsam mit einem Start-up eine digitale Arbeitsschutzplattform, mit deren Hilfe sich alle 15 Elemente des GDA-ORGAcheck mobil und stationär managen lassen. Der GDA-ORGAcheck1 ist ein Instrument der Gemeinsamen Deutschen Arbeitsschutzstrategie (GDA), mit dem Unternehmen die Organisation ihres betrieblichen Arbeitsschutzes selbst bewerten, Schwachstellen in der Arbeitsschutzorganisation gezielt erkennen und notwendige Verbesserungsmaßnahmen einleiten können. Die oben genannte digitale Arbeitsschutzplattform kombiniert eine stationäre PC-Anwendung mit einer mobilen App für Android- und iOS-Geräte. Die Planung von Baustellen (Projekten), rechtssichere Dokumentationen zum Arbeitsschutz, Gefährdungsbeurteilungen und Betriebsanweisungen, Prüfprotokolle, Last-Minute-Risikoabfragen für kurzfristige Änderungen vor Ort oder Kurzunterweisungen werden zeitsparend erstellt. Für Teambesprechungen kann die Aufmerksamkeit anhand von Fragenkatalogen, Bildern oder Videos auf bestimmte Probleme und aktuelle Gefahren gelenkt werden.
 

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BIM und DigiGAAB

Im Zusammenhang mit der derzeit viel diskutierten Digitalisierung bzw. Transformation der Bauwirtschaft taucht stets der Begriff BIM (Building Information Modelling) auf. Diese mehrdimensionale Planungstechnologie findet zunehmend Einzug bei Planern und Bauwirtschaft, da sich mit ihrer Hilfe Bauprojekte schneller, effizienter und rechtssicherer steuern lassen. BIM stellt jedoch auch die Geschäftsmodelle vieler Handwerksbetriebe infrage. Wer bei der neuen Planungsmethode nicht mitmacht, riskiert, früher oder später aus dem Markt verdrängt zu werden. BIM erfasst alle baurelevanten Daten auf einer Plattform, verknüpft sie und erstellt dann ein digitales Modell. Alle Beteiligten können so das fertige Bauprojekt als digitalen Zwilling bereits in frühen Planungsphasen virtuell begehen und es lassen sich Kollisionsprüfungen durchführen. Im Rahmen des DigiGAAB-Projekts wurden anhand eines digitalen Modells diverse Anwendungsfälle im Arbeitsschutz, wie etwa Absturzsicherung, Lärm und Staub, entwickelt und getestet. Hierzu wurden maschinenlesbare Prüfregeln für KI-gestützte Kollisionsprüfungen geschrieben, mit deren Hilfe sich automatisierte Gefährdungsbeurteilungen für die Baumaßnahme erstellen lassen, bevor überhaupt gebaut wird.

Zum Ende der Projektlaufzeit (28.11.2018 bis 30.06.2022) fand am 21. Juni 2022 die Abschlussveranstaltung im Rahmen des Zukunftstags „Digital meets Klima“ im Branchenzentrum Ausbau und Fassade Rutesheim statt.
 

Das Projekt DigiGAAB

Das Projekt wurde vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) im Rahmen der Initiative INQA (Initiative Neue Qualität der Arbeit) gefördert, durch die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) fachlich begleitet und vom Berufsförderungsgesellschaft des baden-württembergischen Stuckateurhandwerks mbh umgesetzt.
 

DigiGAAB-Abschlussveranstaltung im Rahmen des Zukunftstags „Digital meets Klima“

Auf dem Zukunftstag „Digital meets Klima“ am 21. Juni 2022 im Rutesheimer Branchenzentrum für Ausbau und Fassade wurden die beiden aktuellen Themen Digitalisierung und Klimaschutz im Veranstaltungsprogramm vereint.

So fand am Vormittag die Abschlussveranstaltung des Projekts „DigiGAAB – Digital unterstützter Gesundheits- und Arbeitsschutz im Arbeitsprozess Bau – Mehr Sicherheit durch Partizipation“, gefördert vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS), statt, gefolgt von einem Marktplatz zu den Themen Digitalisierung und Energieeffizienz für Netzwerk, Kontakte und Lösungen am frühen Nachmittag. Im Anschluss daran ging es im „Klimateil“ der Veranstaltung um die Themen Klimaschutz, Energieeinsparung und Ressourcenschonung. Abgerundet wurde das Programm durch eine Vernissage am Abend mit der Eröffnung der neuen Kunstausstellung in der Reihe „Kunst im Zentrum“.
 

Achim Sieker spricht am Rednerpult.
Achim Sieker vom BMAS bei seiner Begrüßungsrede
Bild: Kompetenzzentrum für Ausbau und Fassade


Die Abschlussveranstaltung des Projekts „DigiGAAB“ wurde vom Projektleiter Dr. Roland Falk moderiert, die Begrüßung übernahm Achim Sieker vom BMAS, der das Projekt vor allem lobte, weil es die Themen Arbeits- und Gesundheitsschutz sowie Digitalisierung zusammenbringen konnte. Entstanden seien tolle Ergebnisse, zielführende Ansätze und viele Unterstützungsangebote, die auch nach Projektende den Betrieben bundesweit zur Verfügung stehen werden. Danach kamen die beteiligten Partnerbetriebe zu Wort und ließen die Teilnehmenden an ihren Erfahrungen bei der Einführung und Nutzung digitaler Hilfsmittel im Stuckateurbetrieb teilhaben. Den Anfang machte Marcel Sauer von der Firma Sauer in Epfenbach, der über Vision und Wirklichkeit zum Thema „Papierloses Büro“ berichtete. Hermann Blattner von der Firma Gröber beschrieb die Themen Zeiterfassung, Dokumentenmanagement sowie nützliche Schnittstellen mit den Branchenprogrammen WinWorker und Meistertask sowie den Einsatz von BGSicher als Hilfsmittel für die Gefährdungsbeurteilung. Den digitalen Mitarbeiterauftrag mit Tagesbericht und Stundeneingabe stellte Bernd Friedrich vor. Manuel Keicher erzählte von seinen Erfahrungen mit der Software Craftnote sowie im Umgang mit der „GefährdungsAPP“. Um das Thema interne Kommunikation mit der Standardsoftware Microsoft Sharepoint ging es beim Vortrag von Marco Strittmatter von der Firma Soyez. Zum Abschluss erläuterte Petra Besemer den Umstieg des Betriebs auf die Branchensoftware WinWorker und ging dabei vor allem auf die dafür notwendigen Kennzahlen für die Kalkulation ein.
 

Fünf Auzubildende in Arbeitskleidung und ein älterer Mann links daneben präsentieren etwas vor einer Leinwand.
Das Ausbildungspersonal der ÜBA Leonberg und die Auszubildenden berichten über ihre Erfahrungen mit der Digitalisierung.
Bild: Kompetenzzentrum für Ausbau und Fassade


Der „Experimentierraum“

Im zweiten Teil der Abschlussveranstaltung ging es um den im Projekt entwickelten und ausgestatteten Experimentierraum. Thomas Nothacker vom Fachverband SAF in Rutesheim beschrieb Mehrwert und Nutzen für Unternehmen und Beschäftigte beim Besuch des Experimentierraums. Verschiedene digitale Lösungen können dort – auch über das Projektende hinaus – kennengelernt und selbst ausprobiert werden. Auch in der Überbetrieblichen Ausbildung (ÜBA) in Leonberg ist ein Experimentierraum entstanden. Im Aufbau befindet sich aktuell ein Lehr- und Lernsystem (LLS), das den Auszubildenden Unterrichtsblöcke und deren Aufgaben digital zur Verfügung stellt. Im Projekt „DigiGAAB“ wurde an das LLS ein Assistenzsystem, die ArbeitsBox, angedockt, die die Auszubildenden mit Zugriff über die neue App „AuFBau“ offline in den Werkstätten in Leonberg und Rutesheim nutzen können. Darin integriert wurde auch das Thema Arbeits- und Gesundheitsschutz. Wie die ArbeitsBox in der ÜBA zum Einsatz kommt, beschrieb Ausbildungsmeister Gerhard Fischer zusammen mit vier Auszubildenden aus dem ersten Lehrjahr.

Den Abschluss der Vortragsreihe machte Frank Gericke vom Fachverband SAF in Rutesheim. Er klärte das „Wirrwarr“ bei der Preiskalkulation auf und ging auf die richtigen Kalkulationsgrundlagen und auf die notwendigen Kennzahlen für die Preisfindung ein. Eine Software kann nur so gut kalkulieren, wie die eingegebenen Vorgabewerte und Kennzahlen sind. Diese müssen vom Unternehmen richtig ermittelt und eingepflegt werden.
 

Mann arbeitet vor einem Computer mit zwei Monitoren.
Im Experimentierraum
Bild: Kompetenzzentrum für Ausbau und Fassade
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In einem Büro stehen mehrere Laptops und Monitore.
Im Experimentierraum
Bild: Kompetenzzentrum für Ausbau und Fassade
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Marktplatz – Digitalisierung und Energieeffizienz zum Anfassen

Im Anschluss an die Workshops und Vorträge konnten die Teilnehmenden im Technikgebäude an zahlreichen Ständen erleben, was in den Bereichen Digitalisierung und Energieeffizienz aktuell bereits möglich ist, und auch einen Blick auf zukünftige Entwicklungen werfen. Bei den Ausstellenden war von neuer Maschinentechnik über Soft- und Hardwarelösungen bis hin zu innovativen Heiz-/Kühl- und Lüftungstechniken alles vertreten.
 

Großer Raum mit kleinen Messeständen, an denen kleine Gruppen zusammenstehen.
Netzwerken auf dem Marktplatz.
Bild: Kompetenzzentrum für Ausbau und Fassade
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Zwei Männer in einem Veranstaltungsraum knien vor einem Exponat, das aus zwei Gitter-Tischen besteht.
Marktplatz.
Bild: Kompetenzzentrum für Ausbau und Fassade
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Die Initiative „Das-Handwerk-Digital“ stellte ihr Dienstleistungsangebot für Handwerksbetriebe vor, eine branchenorientierte Digitalberatung zu ausgesuchten Themen und Lösungen für das Handwerk. Präsentiert wurde zudem die BG-Sicher-App „Die digitale Fachkraft für Arbeitssicherheit*“, mit der Handwerksbetriebe ohne Vorbereitung und Fachwissen in wenigen Minuten ihre Arbeitssicherheits-Struktur erstellen können. Selbstverständlich war auch ein Besuch im „Experimentierraum“, in dem verschiedenen Softwareangebote vorgestellt wurden, sowie der Ausbildungswerkstatt möglich. Abgerundet wurde der Zukunftstag durch eine Live-Vorführung unserer Auszubildenden am digitalen Schneidetisch mithilfe der digitalen ArbeitsBox.
 

  • → Winworker

    → Moser Mosaik

    → Stucki ESUS

    → Open Handwerk

    → Baufaktura

    → Contura Sander&Dol

    → Craftnote

    →  Filitime

    → Memomeister

    → Digiplan

    → Würth-Cloud

    → DOC BOX

    → Time Control

    → Capmo

  • → Konica Minolta, Workplace Hub - Andreas Paulitsch

    → Büro Profis Laupheim, DOCBOX - Florian Schwarzenbach

    → Clever Group, "Das-Handwerk-Digital" - Boris Simon

    → BGsicher, Arbeitssicherheitsmanagement - Markus Jungtow

    → V4Heat (Vitrulan) - Thorsten Dieges (Flächenheizung elektrisch)

    → Lofec GmbH - Jürgen Schneider (Flächenheizung elektrisch)

    → GeoClimaDesign AG - Antje Vargas (Flächenheizung Wasserführend, Kapillarmatten)

    → Bosch Powertools GmbH - Joachim Egeler (Elektrowerkzeuge)

    → Meltem GmbH - Klaus-Dieter Fuhlert (Lüftungsanlagen)

    → Siegenia - Andreas Bohl (Lüftungsanlagen)

    → Knauf - Kai Niehausmeier (VHF)

    → Sto - Mathias Oechsler (VHF)

    → DAW alsecco - Thomas Nürnberger/Thomas Kiel (VHF)

  • Gefördert durch: Bundesministerium für Arbeit und Soziales
    Im Rahmen der Initiative: INQA
    Fachlich begleitet durch Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin

    Projektleiter:

    → Dr. Roland Falk, Berufsförderungsgesellschaft des baden-württembergischen Stuckateurhandwerks mbH, Stuttgart

    Projektpartner*innen:

    → Zentralverband des Deutschen Baugewerbes e. V., Berlin

    → Arno Bohmüller – Stuckateur und Malerbetrieb, Walzbachtal

    → Besemer Ausbau und Fassade GbR, Kohlberg

    → BG BAU – Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft, Berlin

    → Christian Gröber GmbH & Co. KG, Stuttgart

    → Forum Soziale Technikgestaltung c/o Talheimer Verlag, Mössingen-Talheim

    → Friederich Stuck – Putz – Farbe, Bad Friedrichshall

    → FS MEDIEN, Rutesheim

    → Gipser- und Stuckateurgeschäft Mathias Schweikle, Pfalzgrafenweiler

    → Heller Stuckateur + Maler GmbH, Weil der Stadt

    → Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt, Frankfurt am Main

    → Kurt Sauer GmbH Ausbau + Fassade, Epfenbach

    → Manuel Keicher Stuckateur- und Malerbetrieb, Heilbronn-Biberach

    → Offensive Mittelstand BW, Pliezhausen

    → Sauter GmbH, Singen

    → Soyez Stuckateur GmbH, Ilsfeld

    → Steinbeis-Transferzentrum Produkt- und Verfahrensbewertung (nur mit LOI), Weil der Stadt

    → Striebel GmbH, Laupheim

    → Stuckateur Salzer, Dettingen

    → Stuckateurbetrieb Thomas Salzer, Kusterdingen

Fußnoten
1
Die Gemeinsame Deutsche Arbeitsschutzstrategie wurde vom Bund, den Bundesländern und den Trägern der gesetzlichen Unfallversicherung auf der Grundlage internationaler und europäischer Vorgaben vereinbart und im November 2007 von der 84. Arbeits- und Sozialministerkonferenz der Länder bestätigt.
Autor

Dipl.-Ing. Bernd Merz

BG BAU Prävention


Ausgabe

BauPortal 4|2022