Zukunft des Bauens

Drohne als Arbeitsmittel eines Schornsteinfegers

Blick von oben auf eine Dachfläche: An schwer zugänglichen Objekten inspizieren Drohnen Dachflächen und vermessen z. B. die Abstände von Heizungs- und Abgasanlagen zu Nachbargebäuden. Dies erleichtert die Arbeiten des Schornsteinfeger-Gewerks.
Drohne inspiziert von oben die Dachfläche eines schwer zugänglichem Objekts.
Bildquelle: Eric Scherer


Neben Besen und Schutzkleidung gehört die Drohne seit etlichen Jahren ebenfalls zu den Arbeitsmitteln von Eric Scherer. Der Schornsteinfegermeister aus dem Saarland setzt Drohnen zur Inspektion und Überprüfung von Dächern und Abgasanlagen sowie zur Vermessung von Abständen von Heizungs- und Abgasanlagen zu Nachbargebäuden ein – damit er präzise Daten bekommt, ohne selbst auf das Dach zu gehen, und damit er alle Gefahren kennt, bevor er in der Höhe arbeitet. 
 

Zu den Aufgaben einer Schornsteinfegerin oder eines Schornsteinfegers gehört nicht nur die Kontrolle der Feuerungsanlagen, wie Schornstein, Abgasleitung, Verbindungsstück und Feuerstätten, sondern auch die rechtzeitige Erkennung möglicher Brand- und Umweltgefahren und das Aufzeigen von Sicherheitsmängeln von Feuerungsanlagen. 

Darüber hinaus wird die Einstellung von Heizungsanlagen überprüft, um unnötige Kosten zu vermeiden und die Umwelt durch einen geringeren Verbrauch von Brennstoffen zu entlasten. 

Für alle diese Arbeiten ist es notwendig, Dächer oder andere hochliegende Flächen zu betreten bzw. dort zu arbeiten. Um vorab einen Überblick über die Beschaffenheit des Dachs und der installierten Anlagen zu erlangen und bei Bedarf geeignete Maßnahmen anzuregen, setzt Eric Scherer zur Prüfung der Sicherheitsanlagen bzw. zur sicheren Durchführung der Schornsteinfegerarbeiten seit mehr als fünf Jahren Drohnen ein.

 

Auch im traditionellen Schornsteinfeger-Gewerk werden Drohnen genutzt: Blick von oben auf eine Dachfläche
Auch im traditionellen Schornsteinfeger-Gewerk werden Drohnen genutzt: Blick von oben auf eine Dachfläche
Bildquelle: Eric Scherer
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Die Thermobild-Kamera einer Drohne liefert Aufnahmen, die die Wärmeabstrahlung auf einer Dachfläche sichtbar macht: mittels Rot-Gelb-Einfärbung.
Die Thermobild-Kamera einer Drohne liefert Aufnahmen, die die Wärmeabstrahlung auf einer Dachfläche sichtbar macht: mittels Rot-Gelb-Einfärbung.
Bildquelle: Eric Scherer
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Hier vermisst die Drohne auf zwei benachbarten Dachflächen die Abstände von einer Abgasanlage zu den Fenstern beziehungsweise zur Gaube des Nachbargebäudes.
Hier vermisst die Drohne auf zwei benachbarten Dachflächen die Abstände von einer Abgasanlage zu den Fenstern beziehungsweise zur Gaube des Nachbargebäudes.
Bildquelle: Eric Scherer
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Von der Mängelbegutachtung bis zur Abstandsmessung

Angefangen hat Eric Scherer mit der Mängelbegutachtung auf Dächern per Drohne. Der Landesinnungsmeister der Schornsteinfegerinnung Saarland war einer der Ersten seines Gewerks, der bereits 2017 einen Nachweis zum Steuern unbemannter Fluggeräte (Drohnenführerschein) und nun auch ein EU-Fernpilotenzeugnis A2 absolviert und sich intensiv mit dem Einsatz von Multikoptern beschäftigt hat. Mittlerweile nimmt neben der Begutachtung und Überprüfung auch die Abstandsmessung von Abgasanlagen zu Nachbargebäuden einen großen Teil seiner Aufgaben ein. 

Alle Einsätze erfordern eine präzise Auswertung der Drohnen- und Thermografieaufnahmen. Dies nimmt samt Vor- und Nachbereitung oft mehr Zeit in Anspruch als der eigentliche Flug – ist aber notwendig für die weitere Nutzung der Daten. 

 

Drohnenbild zeigt Schornstein von oben: Angezeigt werden sein Mauerwerk mit quadratischer Grundfläche, ein 4 Zentimeter breiter Riss und dessen Abstand vom rechten Rand des Schornsteins.
Drohnenbild zeigt Schornstein von oben: Angezeigt werden sein Mauerwerk mit quadratischer Grundfläche, ein 4 Zentimeter breiter Riss und dessen Abstand vom rechten Rand des Schornsteins.
Bildquelle: Eric Scherer
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Drohnenbild zeigt eine Abgasanlage: Anhand charakteristischer Verfärbungen (pink, blau) kann die Fachkraft für Schornsteinfegearbeiten erkennen, ob die Anlage ordnungsgemäß funktioniert.
Drohnenbild zeigt eine Abgasanlage: Anhand charakteristischer Verfärbungen (pink, blau) kann die Fachkraft für Schornsteinfegearbeiten erkennen, ob die Anlage ordnungsgemäß funktioniert.
Bildquelle: Eric Scherer
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Drohnenbild zeigt eine Abgasanlage: Anhand der Dampf- und Rußentwicklung kann die Fachkraft für Schornsteinfegearbeiten erkennen, ob die Anlage ordnungsgemäß funktioniert.
Drohnenbild zeigt eine Abgasanlage: Anhand der Dampf- und Rußentwicklung kann die Fachkraft für Schornsteinfegearbeiten erkennen, ob die Anlage ordnungsgemäß funktioniert.
Bildquelle: Eric Scherer
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Die Drohne vermisst Länge und Breite der AbgasaACnlage sowie Durchmesser und Seitenkanten-Länge eines runden und eines quadratischen Abzugsschachts.
Die Drohne vermisst Länge und Breite der Abgasanlage sowie Durchmesser und Seitenkanten-Länge eines runden und eines quadratischen Abzugsschachts.
Bildquelle: Eric Scherer
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Wachsende Nachfrage im Schornsteinfeger-Gewerk

Durch eine gesetzliche Vorgabe im Saarland, nach der bis 2025 rund 90.000 Öfen wegen Feinstaubproblemen erneuert werden müssen, wird die Arbeit der Fachleute aus dem Schornsteinfeger-Gewerk immer wichtiger. Um Anfragen und Aufträge effizienter und sicherer zu erfüllen, kommen zunehmend auch Drohnen ins Spiel. Sie ermöglichen sowohl eine rechtssichere Verwaltung und Dokumentation als auch eine sinnvolle Ergänzung zur sicheren Durchführung der Schornsteinfeger-Arbeiten. Alteingesessene Kolleginnen und Kollegen fragen deshalb diese Technologie immer stärker nach, berichtet der Landesinnungsmeister. Ein Teil von ihnen möchte künftig Drohnen auch ohne externe Dienstleistungsunternehmen nutzen und erarbeitet sich das entsprechende Know-how. So werden beispielsweise 25 von den 129 Schornsteinfeger-Betrieben im Saarland Ende November 2021 einen A2-Drohnenführerschein haben.

 

Vorbereitung und Überwachung eines Drohnenflugs: Eric Scherer zeigt Azubis, wie Drohnen über die Remote Access-Sender-Unit und ein Tablet programmiert und ferngesteuert werden können.
Vorbereitung und Überwachung eines Drohnenflugs: Eric Scherer zeigt Azubis, wie Drohnen über die Remote Access-Sender-Unit und ein Tablet programmiert und ferngesteuert werden können.
Bildquelle: Eric Scherer
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An der Unterseite einer Drohne befestigte Kamera liefert beim Aufstieg des Multikopters Bilder der Umgebung.
An der Unterseite einer Drohne befestigte Kamera liefert beim Aufstieg des Multikopters Bilder der Umgebung.
Bildquelle: Eric Scherer
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Breiter Schornstein mit mehreren Abgas-Schächten: Für das Schornsteinfeger-Gewerk erspart diese Luftaufnahme den Vor-Ort-Einsatz auf dem Dach.
Breiter Schornstein mit mehreren Abgas-Schächten: Für das Schornsteinfeger-Gewerk erspart diese Luftaufnahme den Vor-Ort-Einsatz auf dem Dach.
Bildquelle: Eric Scherer
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Nach dem erfolgreichen Drohnenflug können die übermittelten Bilder zu Dokumentationszwecken mit technischen Zeichnungen, Messwerten und weiteren Anmerkungen ergänzt werden.
Nach dem erfolgreichen Drohnenflug können die übermittelten Bilder zu Dokumentationszwecken mit technischen Zeichnungen, Messwerten und weiteren Anmerkungen ergänzt werden.
Bildquelle: Eric Scherer
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Mittlerweile führt Scherer auch für Azubis im Schornsteinfeger-Gewerk Unterweisungen in Berufsschulen im Saarland durch. Innerhalb von acht Stunden werden die Azubis mit den Grundlagen des Drohneneinsatzes vertraut gemacht. Dazu gehören z. B. Regeln zum sicheren Umgang, zum Datenschutz bzw. zu den Bildrechten, aber auch die Auswahl der Funktionen, die eine Drohne bei einem Auftrag erfüllen soll. Denn vor einem Flug müssen alle Daten, die für einen Auftrag aufgenommen werden sollen, abgestimmt werden. Praxisübungen und Flugschemata sowie eine Nachbesprechung der Flüge und gewonnenen Daten runden die Ausbildungseinheit ab.

 

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BauPortal 4|2021