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Banner über einem Eingang mit der Aufschrift „THE FUTURE OF BUILDING IS DIGITAL“ und „DIGITAL BAU – Fachmesse für digitale Lösungen in der Baubranche“.
Bild: Stephan Imhof - BG BAU

Künstliche Intelligenz, Digitalisierung

digitalBAU: Die Baubranche im Zeitalter der Digitalisierung

Auf der Fachmesse präsentierten Aussteller aktuelle Entwicklungen digitaler Services und Produkte in der Baubranche. Das Vortragsprogramm widmete sich der digitalen Transformation und datengetriebenen Bauprozessen. KI-Anwendungen sollen helfen, Ordnung in die Datenflut zu bringen.

Vom 24. bis 26. März 2026 fand die vierte Ausgabe der digitalBAU, der Fachmesse für digitale Produkte und Lösungen in der Baubranche, auf dem Messegelände Deutz in Köln statt. 300 Aussteller präsentierten auf 17.000 m2 Lösungen und Produkte zu digitalen Dienstleistungen beim Bauen. In diesem Jahr standen die Themen Kreislaufwirtschaft im Bauwesen, Digitalisierung für den Bestand, künstliche Intelligenz und digitale Prozessoptimierung beim Bauen und Sanieren im Mittelpunkt. Das lockte über 11.000 Besucherinnen und Besucher auf die Messe – mehr, als die digitalBAU je zuvor verzeichnen konnte.

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Bild: SANALRENK / Getty Images

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Digitale Lösungen für zirkuläres Bauen

Fachleute betonten auf der digitalBAU wiederholt, dass die Baubranchein puncto Materialverbrauch zum Umdenken gezwungen ist. Der bisherige Ressourcenhunger sei weder nachhaltig noch wirtschaftlich. Als einer der größten Rohstoffverbraucher beansprucht der Bausektor 90 Prozent der mineralischen Rohstoffe und erzeugt dabei gleichzeitig über die Hälfte des gesamten Abfallaufkommens (220 Mio. t/a) in Deutschland. Im Jahr 2023 wurden rund 36 Prozent des gesamten Stahlbedarfs der EU am Bau verbraucht. Sand gilt heute als meistverwendeter Rohstoff der Welt – mit dem Bausektor als Hauptabnehmer. Branchenwachstum könne zukünftig nur mit Wiederverwendung einhergehen. Um Rohstoffe alternder Bauwerke nach dem Prinzip des Urban Mining effektiv wieder als Baustoff zu nutzen, könnten digitale Lösungen wie Materialdatenbanken, Materialkataster und -pässe helfen, die Rückgewinnung, Stoffklassifizierung und den Wiedereinsatz systematisch zu erfassen und zu steuern. Ebenso präsentierten Aussteller Softwarelösungen für den damit verbundenen Ansatz Design for Disassembly, also möglichst sortenrein undohne schwer trennbare Verbundstoffe beim Bauen auszukommen. Der mittlerweile gebräuchliche digitale Gebäuderessourcenpass aus dem Neubau könnte für den Rückbau zukünftig zum Gamechanger werden.

Mehrrotor-Drohne mit Kamera steht auf einem Tisch auf einer Messe digitalBAU 2026.
Mehrrotor-Drohne mit Kamera für Vermesserungsaufgaben, Gelände- und Gebäudescans.
Bild: Stephan Imhof - BG BAU

Quo vadis, BIM?

Nach Meinung von Messebesucherinnen und -besuchern sowie zahlreichen Ausstellern stellt das Building Information Modeling (BIM) den zentralen Ansatz dar – nicht nur in der Bauphase, sondern auch für den Zeitraum des Betriebs mit möglichen Um- und Ausbauten bis hin zum Abbruch. Die Methode etabliere sich zunehmend als zentrales Werkzeug zwischen Planenden, Bauherren und Betreibenden, auch wenn weiterhin kein allseits anerkannter Standard existiere und proprietäre Formate mit dem Open BIM-Ansatz konkurrieren würden. Die Initiativen „Building Smart“sowie das von drei Bundesministerien getragene „BIM-Deutschland“ sind bemüht, branchenweit einheitliche und offene Lösungenzu erreichen. Für die angestrebte Kreislaufwirtschaft mit Materialkatasterund Gebäuderessourcenpass bietet BIM die Voraussetzungen, eine lückenlose Datenbasis zu bilden, in der die Zusammensetzung der Gebäudehülle mit der technischen Gebäudeausrüstung sowie aller Einbauten und späteren Umbauten erfasst ist. Das könnte auch für den Arbeitsschutz im Bau und Betrieb gelten. Im Modell lassen sich mögliche Gefährdungen visuell erfassen, aber auch über angewandte Verfahren und Materialien (Gefahrstoffe) identifizieren. Darauf trainierte KI-Agenten wären dafür prädestiniert, diese Aufgabe im Abgleich mit dem Regelwerk und Lebenszyklus zusammenzuführen sowie Schutzmaßnahmen vorzuschlagen und kaufmännisch zu kalkulieren. Aufwendigere permanente Schutzeinrichtungen wären wirtschaftlich sinnvoll, wenn sie auch in späteren Phasen gebraucht würden und langfristig günstiger als etwa in jedem Gefährdungsfall ein Schutzgerüst zu stellen.

Humanoider Roboter mit schwarzem Visier und leuchtendem Rahmen und QR-Code läuft über die Messe digitalBAU 2026 in Köln.
Auch bald als helfende Hand auf dem Bau? Ein Humanoider Roboter begrüßt Messebucherinnen und -besucher.
Bild: Stephan Imhof - BG BAU

Wo KI am Bau helfen soll

Die Messe vermittelte übereinstimmend die Erwartung, dass künstliche Intelligenz (KI) die Vielzahl der im Bauprozess entstehenden Daten und Formate strukturieren und zu einem fassbaren, qualitativ kohärenten Modell zusammenführen könnte. Diese Annahme ist mit der allgemeinen Entwicklungsperspektive von KI-Anwendungen verknüpft, die in naher Zukunft ausgestattet mit leistungsfähigen analytischen Fähigkeiten aus unüberblickbaren Datenströmen eindeutige Handlungsoptionen formen können sollen. Dieser Weg ist vorgezeichnet; das zeigten Aussteller mit ihren KI-Agenten. Deren Aufgabe ist es, Plan- und Bauwerksdaten verlässlich zu konsolidieren, um einzelne Elemente und Eigenschaften eines Bauwerks auf Abfrage auszugeben. Etwa um die statische Tragfähigkeit einer Wand zu ermitteln oder die Lage aller Steckdosen eines Bestandsgebäudes anzuzeigen. Bestenfalls funktioniert das nicht über Listen und Kataloge, sondern über visualisierte Ansichten, die intuitiv ausgewählt, bewegt und sondiert werden können.

 

Bohrroboter mit Mast und Bohrvorrichtung an der Spitze in einer Messehalle auf der digitalBAU 2026.
Jaibot, der Bohrroboter von Hilti mit Mast und Bohrvorrichtung auf der digitalBAU.
Bild: Stephan Imhof - BG BAU

Auch die mit der Basistechnologie KI verknüpfte Robotik war auf der digitalBAU präsent. Etwa in Form eines Humanoiden, der ohne direkte Funktion für die Bauwelt, eher spielerisch die Entwicklungsmöglichkeiten aufzeigte. Der Konstruktionsroboter Jaibot von Hilti dagegen ist auf die Baustelle zugeschnitten, speziell auf Bohrarbeiten an Wänden und Decken. Er wird per Tablet und Controller eingewiesen und arbeitet teilautonom. Die Projektpläne kommen aus der Cloud. Mit seiner Bohrtechnik inklusive Absaugung arbeitet er beinahe staubfrei und nimmt Menschen Aufträge ab, die mit erheblichen körperlichen Belastungen verbunden wären.

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In den Diskussionspodien mit Führungskräften von Bauunternehmen und Start-ups wird der Digitalisierung die zentrale Rolle zugeschrieben, um den Herausforderungen der Baubranche –dem Fachkräftemangel, der Wohnungsnot, Materialteuerungen und langwierigen Planungs- und Genehmigungsverfahren – zu begegnen und zu industriellen Verfahrensweisen beim Bauen und seriellem Sanieren zu kommen. Felix Pakleppa, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands des Deutschen Baugewerbes (ZDB) und Vorstandsmitglied der BG BAU, kommentierte treffend: „Digitalisierung, KI und Robotik sind keine Zukunftsvisionen mehr. Sie sind bereits Realität und prägen entscheidend die Wettbewerbsfähigkeit von morgen. Mit der digitalBAU verfügt die Baubranche über eine einzigartige Plattform, auf der Innovationenerlebbar werden und zum Nutzen unserer Baubetriebe ganz konkrete Lösungen für die Baustelle der Zukunft entstehen.“

Autor

Stephan Imhof

Redaktion BauPortal