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Grafische Darstellung eines Stadtquartiers nach dem Schwammstadt-Prinzip mit ober- und unterirdischen Anlagen zur Regenwasserbewirtschaftung.
Grafische Darstellung eines Stadtquartiers nach dem Schwammstadt-Prinzip mit ober- und unterirdischen Anlagen zur Regenwasserbewirtschaftung. | Bild: Mall GmbH

Spezialtiefbau, Baugruben

Regenwassermanagement bei Schulneubau in Berlin

In Berliner Bezirk Marzahn-Hellersdorf entsteht eine integrierte Sekundarschule (ISS). Die neue Schule ist als innovatives Compartment-Modell mit drei Schulhäusern geplant. Modern und nachhaltig ist nicht nur das Gebäudekonzept, sondern auch das Regenwassermanagement rund um die Schule. Mit den geplanten Lösungen trägt der Neubau zur Umsetzung des Schwammstadtprinzips in Berlin bei.
 

Architekturmodell eines Stadtquartiers mit mehreren kubischen Gebäuden und begrünten Freiflächen.
Architektur-Modell für die ISS Garzauer Straße
Bild: Bär, Stadelmann, Stöcker Architekten und Stadtplaner PartGmbB

In der Garzauer Straße in Hellersdorf entsteht bis Ende 2026 die sechszügige ISS Garzauer Straße für rund 600 Schülerinnen und Schüler. Das Ensemble umfasst ein Schulgebäude mit Sporthalle und dazugehörige Sport- und Freiflächen. Bauherrin ist die kommunale Wohnungsbaugesellschaft HOWOGE.
 

Geplante Gebäude und Außenflächen 

Der Schulbau wird nach dem Konzept der Berliner Lern- und Teamhäuser errichtet, dem sogenannten Compartment-Modell. Das sind mehrere kleine Schulen in einer großen Schule. Die drei Schulbaukörper werden konzentriert auf dem Kreuzungspunkt der vorhandenen Süd-Nord-Achse und Ost-West-Achse errichtet. Am östlichen Ende ist im Rahmen der Bauaufgabe eine Dreifeldsporthalle mit Jugendmehrzweckraum geplant, welche auch für den Vereinssport geöffnet wird. Das Schulgelände soll zudem mit durchgrünten Freiflächen und ungedeckten Sportflächen ausgestattet sein. Ein Schulgarten wird als „Urban gardening“-Fläche angelegt und kann ebenfalls von der umliegenden Nachbarschaft genutzt werden.
 

Modernes Regenwassermanagement und Schwammstadt-Prinzip 

Kommunen müssen mit mehr Starkregen und längeren Trockenperioden umgehen und dafür moderne Konzepte beim Umgang mit Regenwasser in Betracht ziehen. Ein solches Konzept ist das Schwammstadt-Prinzip: Bei Starkregen wird das Regenwasser – anstatt ungenutzt abgeleitet zu werden – gespeichert, kontrolliert wieder an die Umgebung abgegeben oder zur Bewässerung der Vegetation genutzt. Dafür braucht man die sogenannte blau-grün-graue Infrastruktur. Diese entsteht durch die Verknüpfung von Wasserflächen wie Teichen und Seen (blau) mit Grünflächen wie Parkanlagen, begrünten Dächern und Fassaden sowie Stadtbäumen (grün) und grauen Infrastrukturelementen. Hierzu zählen technische Komponenten wie Zisternen, Pumpstationen und Versickerungsanlagen, die eine dezentrale Bewirtschaftung von Regen- und Niederschlagswasser ermöglichen. Anstatt das Wasser ausschließlich abzuleiten, wird ein möglichst naturnaher Kreislauf angestrebt: Das Nass wird gesammelt, gereinigt, zwischengespeichert, lokal genutzt, versickert oder teilweise abgeleitet.
 

Grafische Darstellung eines Stadtquartiers nach dem Schwammstadt-Prinzip mit ober- und unterirdischen Anlagen zur Regenwasserbewirtschaftung.
Konzept der Schwammstadt
Bild: Mall GmbH

 

Bauablauf

Die Bauarbeiten vor Ort startete die Firma BATEG GmbH aus Berlin im Juni 2024. Im November 2024 fand die Grundsteinlegung statt. Die Fertigstellung des Rohbaus erfolgte 2025, die Fertigstellung des Gebäudes ist für Juni 2026 geplant. Ein wichtiger Teil der Bauarbeiten sind auch die Arbeiten zur Errichtung eines nachhaltigen Regenwassermanagements, welche die BTW GmbH Tiefbau-Unternehmung übernahm. Denn die Schule hat keinen Kanalanschluss, um Regenwasser entsprechend den Auflagen aufzufangen.
 

Schulneubau ohne Kanalanschluss 

Bauherren und Planer müssen bei Renovierung und Neubau öffentlicher Gebäude verschiedene Umweltaspekte berücksichtigen. Einer ist der Umgang mit Regenwasser als natürlicher Ressource. Die dezentrale Regenwasserbewirtschaftung war auch Auflage beim Neubau der Berliner Schule. Sie stand vor der Herausforderung, dass sämtliches auf den Dach- und Grundstücksflächen anfallendes Regenwasser zukünftig direkt vor Ort versickert werden muss. Denn ein Kanalanschluss für das Bauvorhaben ist weder vorhanden noch genehmigungsfähig. Die Planer konzipierten daher eine Lösung für die Regenwasserbewirtschaftung, welche das Schwammstadt-Prinzip umsetzt.
 

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Konzept mit Tunnelrigolen und vorgeschalteten Filterschächten 

Zunächst war die Errichtung von Sickerschächten und Rückhaltespeichern aus Kunststofffüllkörpern angedacht. Nach Angaben der verantwortlichen Planerin Dipl.-Ing. Anne Wehrmann von der AKUT Umweltschutz Ingenieure Burkard und Partner sprach jedoch die Bodenbeschaffenheit dagegen. 

Für den Einbau der Sickerschächte hätte eine mächtige Schicht von wasserundurchlässigem Geschiebemergel durchstoßen werden müssen und die Schachttiefe von bis zu 7 m hätte hohen Wartungsaufwand für die Entfernung von Verschlammungen bedeutet. Also entschied man sich stattdessen für ein Konzept mit Tunnelrigolen und vorgeschalteten Filterschächten. Die HOWOGE ließ insgesamt vier solcher Anlagen zur Regenwasserbewirtschaftung installieren.

Wasservorbehandlung in Filterschächten 

Das auf den Schuldächern sowie auf den Freiflächen anfallende Wasser wird jeweils in einen Filterschacht FS 85 geleitet. Diese gehören nach DIN 1989 zu Typ A mit Schmutzrückhalt und maximieren die Wasserausbeute. Die Filterschächte aus Stahlbeton-Fertigteilen in monolithischer Rundbauweise sind für Großanlagen mit bis zu 10.000 m² Fläche und eine Durchflussmenge bis 270 l/s ausgelegt. In ihrer Mitte befindet sich ein zylindrischer Filtereinsatz, auf den das Regenwasser von allen Seiten und auf ganzer Höhe zuströmen kann. Alle Schmutzpartikel, die größer als 0,6 mm sind, werden zurückgehalten. Das große Schachtvolumen dient als Sand- und Schlammfang.

Montage eines Filterschachts aus Stahlbeton-Fertigteilen in monolithischer Rundbauweise mit einem Bagger.
Filterschächte aus Stahlbeton-Fertigteilen
Bild: BTW GmbH Tiefbau-Unternehmung

Aus Tunnelrigolen ins Grundwasser 

Anschließend fließt das aufbereitete Regenwasser in zwei Sickertunnel. Unterhalb der Tunnel wurde der Geschiebemergel bis zur wasserführenden Sandschicht durch wasserdurchlässiges Bodenmaterial ausgetauscht, was die Sickerfläche im Vergleich zur ursprünglich geplanten Lösung mit den Sickerschächten vergrößert und die Leistungsfähigkeit deutlich erhöht. Die unterirdischen Tunnelrigolenanlagen haben eine Länge von 15 m pro Rigole und können jeweils rund 36 m³ Wasser aufnehmen. Nach und nach wird das Wasser entsprechend der Versickerungsfähigkeit des Bodens dem Erdreich und damit dem Grundwasser wieder zugeführt, ähnlich wie beim natürlichen Wasserkreislauf.

Sickertunnel in Modulbauweise 

Sickertunnel bieten auch Vorteile gegenüber kubischen Füllkörpern – insbesondere dann, wenn sie aus Stahlbeton bestehen. Die Hohlräume kommen ohne innere Aussteifungen aus und sind statisch stabil (ausgelegt für Verkehrslasten bis SLW 60, durch Lkw sicher befahrbar). Durch die flache, breitflächige Bauweise ergibt sich zudem ein deutlich besseres Verhältnis zwischen Sickerfläche und Rückhaltevolumen. Dank der statisch möglichen oberflächennahen Anordnung der Tunnelrigolen lässt sich der empfohlene Sickerweg von 1 m Länge zwischen Anlagensohle und Grundwasserspiegel oftmals einfacher erreichen. 

Auf einer Baustelle wird ein vorgefertigtes Stahlbeton-Schachtelement mithilfe eines Krans in eine vorbereitete Baugrube eingesetzt.
Montage der Sickertunnel in Modulbauweise
Bild: BTW GmbH Tiefbau-Unternehmung

Die Montage der Sickertunnel wurde durch ihre Modulbauweise erleichtert. Beide Anlagen bestehen aus sechs Stahlbeton-Elementen, die bequem vor Ort zusammengesetzt wurden. Der Werkstoff Beton erlaubte zudem den Verzicht auf eine Geotextilummantelung. Die Innenhöhe von 1,25 m macht die Sickertunnel nach der Definition der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) begehbar. Für Wartung und Betrieb ergeben sich dadurch erhebliche wirtschaftliche Vorteile, denn alle Maßnahmen können direkt und mit einfachen Werkzeugen erfolgen.

Innenansicht eines Sickertunnels aus Stahlbeton mit Kiesbett und seitlich eingeführtem Rohr.
Sickertunnel mit Verbindungsleitung
Bild: Mall GmbH

Baumrigolen zur Erhöhung der Verdunstungsleistung 

Als weiteres Element des Schwammstadt-Prinzips wurden Baumrigolen in das Regenwasserbewirtschaftungskonzept integriert. Die Baumscheiben nehmen das Wasser von umliegenden gepflasterten Schulhofflächen auf und es gelangt in die Baumsubstratgruben, die von dem umgebenden lehmigen Geschiebemergel abgedichtet werden. Große Teile des Wassers verdunsten über die Baumkronen und verbessern das Mikroklima. Bei Überschreitung einer kritischen Anstauhöhe wird das Wasser über Drainrohre und Überlaufschächte in die Tunnelrigolen abgeführt.
 

Arbeitsschutz beim Einbau 

Arbeitssicherheit sollte schon bei der Planung der Baumaßnahmen berücksichtigt werden. So sind Lagerflächen durch Planer zu abstrahieren und grob festzulegen. Gegebenenfalls müssen auch Anfahr- und Verkehrswege auf der Baustelle im Vorfeld durch die Planer festgelegt und ausgeschrieben werden. Dieser Sachverhalt ergibt sich aus dem § 13 (1) Nr. 5 Arbeitsschutzgesetz in Verbindung mit § 2 (1) der Baustellenverordnung und § 4 des Arbeitsschutzgesetzes. Auf dieser Baustelle wurden diese Aspekte berücksichtigt. Da in den gewölbeartigen Tunnelelementen herstellerseitig bereits Transportankerhülsen für den Anschlag einbetoniert waren, ließen sich diese Halbschalen für die Rigolen von den Lieferfahrzeugen formschlüssig mit einem Hebezeug abladen und auf den vorhandenen Flächen zwischenlagern. Die Baugruben selbst wurden – bedingt durch steif bindigen Boden – mit 60°-Böschungen durch den Bodengutachter vorgegeben und erstellt. Aufgrund der Mindestabstände von Erdbaumaschinen/Hebezeugen von Böschungsrändern gemäß DIN 4124 – plus Addition der (letztendlich nur) halben Sohlbreite, der Ankathete und des 2-m-Abstands der Erdbaumaschine – ließ sich der benötigte Platz für die Positionierung des Baggers der ca. 3 t schweren Halbschalen ermitteln. Zur Ausführung gelangte hier ein 26-t-Bagger, mit dessen Hilfe die Halbschalen verlegt worden sind.
 

Baugrube mit eingesetzten Stahlbeton-Elementen vor einem eingerüsteten Rohbau.
Tunnelrigole aus sechs Stahlbeton-Elementen
Bild: BTW GmbH Tiefbau-Unternehmung

Auch Sportplatz mit Filterschacht und Tunnelrigolen 

Der Schulsportplatz ist ebenfalls in die Regenwasserbewirtschaftung mit einbezogen. Zwei parallel verlaufende Stränge von Tunnelrigolen wurden direkt unter der Sportplatzfläche platziert. Das eingebrachte Kiessand-Gemisch um die Rigolen herum übernimmt die Drainagefunktion. Den Tunnelrigolen vorgeschaltet sind zwei Filterschächte FS85. „Der Kunstrasen des Sportplatzes setzt beim Regenwasserabfluss Mikroplastik frei und daher verlangt die Wasserbehörde eine entsprechende Reinigung“, erläutert die Planerin Dipl.-Ing. Anne Wehrmann. Die Vorbehandlung durch die mit Feinsieben ausgestatteten Filterschächte wurde als behördlich erlaubnisfähig angesehen. 

Das gefilterte Regenwasser gelangt dann in die zwei Sickertunnel. Sie bestehen aus jeweils elf Betonelementen und sind damit noch größer dimensioniert als die oben beschriebenen Anlagen. In den Tunnelrigolen lassen sich Niederschlagsmengen von insgesamt mehr als 134 m³ aufnehmen, die über Verbindungsleitungen zwischen den Röhren gleichmäßig verteilt werden. Zusätzliches Retentionsvolumen stellt das in die Baugrube eingebrachte Füllmaterial bereit. Final erfolgt die kontrollierte Versickerung ins Grundwasser.

Baugrube mit zwei parallel verlaufenden Sickertunneln aus Stahlbeton vor einem Wohngebäude.
Parallel verlaufende Sickertunnel unter dem zukünftigen Sportplatz
Bild: BTW GmbH Tiefbau-Unternehmung
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Baugrube mit eingebauten Sickertunneln und aufgesetzten Schächten aus Stahlbeton vor einem eingerüsteten Gebäude.
Zugänge für den Einstieg in die Sickertunnel
Bild: BTW GmbH Tiefbau-Unternehmung
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Baustelle mit Lkw beim Einbau von Sand in eine Baugrube, im Vordergrund stehen runde Schachtbauwerke aus Beton.
Einstiege zu Sickertunneln und Filterschächten nach Fertigstellung der unterirdischen Arbeiten
Bild: BTW GmbH Tiefbau-Unternehmung
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Ausblick 

Das Neubauprojekt ISS Garzauer Straße zeigt, dass eine dezentrale Regenwasserbewirtschaftung ein wichtiger Bestandteil des Schwammstadtkonzepts sein kann. Verschiedene technische Bauwerke dienen der Behandlung, Nutzung und Versickerung von Niederschlagswasser. Im Ergebnis werden Kanalisation und Gewässer entlastet und die Grundwasserneubildung unterstützt. Der Schulträger leistet damit seinen Beitrag, die Folgen von Überschwemmungen und Dürre zu vermindern und erfüllt behördliche Auflagen.
 

Projektdaten


Bauaufgabe (gesamt): Neubau der ISS Garzauer Straße


Bauherrin:
HOWOGE Wohnungsbaugesellschaft mbH


Planung:
Bär Stadelmann Stöcker Architekten


Bauausführung:
BATEG GmbH


Bauzeit:
2024 bis 2026

 

Bauaufgabe: Einbau von Anlagen zum Regenwassermanagement


Bauherrin:
HOWOGE Wohnungsbaugesellschaft mbH


Planung:
AKUT Umweltschutz Ingenieure Burkard und Partner mbB


Bauausführung:
BTW GmbH Tiefbau-Unternehmung


Eingebaute Anlagen:
Mall GmbH


Fertigstellung:
Mai 2025
 

Autoren

Holger Werner

Freier Fachjournalist

Anke Templiner

Redaktion BauPortal

Ausgabe

BauPortal 1|2026