Serielles Bauen, Bauwerksbau, Fertigteilmontage
Serielles Bauen im „Greenpark“ Berlin: Anforderungen bei Logistik und Montage
Laut Berliner Senat wird die Hauptstadt bis zum Jahr 2040 um 200.000 Menschen anwachsen. Effiziente Technologien von der Planung bis zur Ausführung helfen, Bauzeiten zu verkürzen. Das Gemeinschaftsprojekt „Greenpark“ in Berlin-Neukölln unter Regie des Unternehmens Goldbeck beweist aktuell, was dank serieller Bauweise möglich ist.
Die attraktive Wohnlage neben Teltowkanal und nahem Tempelhofer Feld in Neukölln könnte nicht besser sein. Hier entsteht auf rund 36.000 m2 ein interessantes Wohnquartier. Interessant deshalb, weil es die langjährige Brache des einstigen Spaßbads „Blub“ wiederbelebt sowie energieeffizientes, schnelles, bezahlbares sowie mietpreisgebundenes Wohnen mitten im Grünen vereint. So jedenfalls formuliert es der gemeinsame Anspruch der Projektentwickler Bauwens, des Investors Greystar und des Bau- und Dienstleistungsunternehmen Goldbeck sowie der landeseigenen Wohnungsgesellschaft Berlinovo.
Das Bielefelder Familienunternehmen Goldbeck hat sich in den 50 Jahren seines Bestehens erfolgreich auf serielles Bauen spezialisiert und bietet mittlerweile ganzheitliche Baukonzepte aus einer Hand an – von der Planung über die Ausführung bis hin zum Servicebetrieb. Zweifelsohne ein Vorteil gegenüber vielen Mitbewerbern. Der systematisierte Ansatz fördert nicht nur einen zügigen Baufortschritt, sondern schont auch Ressourcen, reduziert CO₂-Emissionen und sorgt für eine zukunftsfähige Gebäudestruktur, wie das Projekt „Greenpark“ zeigt.
Gebäudetyp E
Der Gebäudetyp E („E“ steht für einfach, effizient, experimentell) ist ein Planungsansatz aus den 2020er-Jahren zum einfachen Bauen im Neubau sowie beim Bauen im Gebäudebestand. Der Ansatz, der auf Vorschlägen der Bundesarchitektenkammer und der Architektenkammern der Länder beruht, setzt auf ein geändertes Bauvertragsrecht hinsichtlich der reinen Komfort- und Ausstattungsstandards. Indem von gesetzlich nicht zwingenden Standards abgewichen werden kann und somit Bauvorschriften reduziert werden, soll das Bauen einfacher, günstiger und schneller werden. Die Grundanforderungen an (Stand-)Sicherheit, Brandschutz und Umweltschutz bleiben weiterhin gewährleistet.
Energieeffizientes Wohlfühlquartier
Auf dem Neuköllner Gelände werden 15 Wohngebäude mit 860 Ein- bis Dreizimmerwohnungen errichtet, davon 102 als geförderte Sozialwohnungen. Nur knapp zehn Monate dauerte es von der Grundsteinlegung bis zum Richtfest. Trotz des begrenzten Baufeldes bleibt noch Platz für eine Kita, einen Kinderspielplatz, ein Fitness- und Yogastudio, Kino, private Veranstaltungsbereiche sowie für Tischtennis, Padel, Basketball und Beach-Volleyball. Öffentliche Verkehrsmittel, Schulen und Ärzte befinden sich gleich in der Nähe. Keine monotone „Schlafstadt“ also, sondern ein Wohlfühlquartier mit allem Drum und Dran. Im Frühjahr 2026 soll diese Ministadt in der Großstadt samt Grünanlagen bezugsfertig sein.
Innovative Fertigteilelemente
André VIelitz, Leiter Projektmanagement bei Goldbeck, erklärt das innovative Baukonzept des neuen Quartiers. „Wir verwenden hier u. a. unsere werkseitig gefertigten Bädermodule sowie weitere seriell gefertigte Bauteile und setzen diese ähnlich dem Baukastensystem mit den anderen Decken und Wänden auf der Baustelle einfach zusammen. Auch der Leitungsschacht besteht aus einem Fertigteil. Geschossweise werden alle Elemente dann zügig verschraubt und vergossen. Es brauchte für den fertigen Rohbau dann nur noch den Einbau der Steigleitungen, den Estrich sowie den Maler.“ Nur drei Monate Bauzeit für ein Gebäude sind hier normal.
Um den Ablauf beim seriellen Bauen weiter zu beschleunigen, entwickelte die Firma Schöck in Zusammenarbeit mit dem Fertigteilwerk thomas allton GmbH ein spezielles Wärmedämmelement für Attiken und Brüstungen. Da dies bereits werkseitig in die Stahlbetonbrüstungen eingebaut ist, können zusätzliche Montagearbeiten in der Höhe reduziert werden.
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Sicheres Bauen im innerstädtischen Raum
„Als große Herausforderung allerdings“, berichtet Bauleiter Hans Haferung, „gestaltete sich die Logistik für die täglichen 40 bis 50 Anlieferungen auf die enge, langgestreckte Baustelle von der verkehrsmäßig stark frequentierten Buschkrugallee aus.“ Dafür sei extra eine Anliefer-App für alle Beteiligten eingerichtet worden, um die Taktzeiten genau einzuhalten und die Belastung für die Anwohner so gering wie möglich zu gestalten. Sie wurden von Anfang an in das Geschehen mit einbezogen und informiert, damit kein Unmut aufkommt.
Absicherung der Baustelle – nach außen und innen
Da sich die Baustelle mitten in einem dicht besiedelten Wohngebiet befindet, müssen entsprechende gesetzliche Vorschriften und Standards eingehalten werden. Alle Bauteams sind darin baustellenbezogen unterwiesen. Verschiedene Sicherheitsvorkehrungen für Passanten und andere Verkehrsteilnehmer wurden getroffen. Die Baustelle ist mit Absperrungen, Warnschildern, Leitbaken und angemessener Beleuchtung versehen, sodass mögliche Unfälle verhindert werden können.
Das trifft ebenfalls innerhalb der Baustelle zu. Da hier viele unterschiedliche Gewerke gleichzeitig auf engstem Raum hantieren, gilt äußerste Rücksichtnahme untereinander, sowie das Einhalten konkreter Absprachen und Abläufe. Die Arbeiten werden von Beginn an seitens des Projektleiters genau koordiniert.
Sichere Anlieferung und Montage
Eine Gefahrenquelle stellt die Anlieferung und Montage der vorgefertigten Bauelemente dar, da diese auf engstem Raum stattfinden. Daher muss den Vorgaben des Bauträgers und des Generalunternehmens für den sicheren Umgang mit den Produkten (Produktsicherheitsgesetz, § 3 Abs. 2, sowie § 6 Abs. 1) unbedingt Folge geleistet werden. Schon bei der Bestellung sollte deshalb geklärt sein, welches Gewicht die Bauteile haben, ob es geeignete Anschlagpunkte, Anschlag- und Lastaufnahmemittel gibt und ob ein sicheres und schadensfreies Anschlagen auf der Baustelle für das Be- und Entladen sowie für den Krantransport zum Ort des Einbaus möglich ist. Zudem sind Angaben zu den notwendigen Mindestaussteifungen und -unterstützungen, auch während Zwischenbauzuständen, erforderlich.
Wichtig für eine sichere Montage sind auch aussagekräftige Montageanweisungen. Da nicht alle Montageanleitungen der Hersteller die notwendigen Informationen und Angaben enthalten, sollten diese vorher geprüft werden.
Checkliste Montageanweisung
- Geeignete Hebezeuge und Anschlagmittel festlegen,
- Anforderungen an Aufstellflächen definieren (z. B. für Kran, Liefer-Sattelschlepper),
- Umgebungsbedingungen (Witterung, Boden, Versorgungsleitungen etc.) berücksichtigen,
- mögliche Zwischenlagerungsmöglichkeiten (Lagerflächen und -vorrichtungen) bestimmen,
- geeignete Arbeitsmittel (z. B. Hubarbeitsbühnen, fahrbare Gerüste) und persönliche Schutzausrüstung zur Verfügung stellen,
- weiterführende Angaben aus der Tragwerksplanung zu den Unterstützungen, Aussteifungen oder Auflager übernehmen,
- zeitliche Erfordernisse (etwa Aushärtezeiten der Bauteile) berücksichtigen und im gesamten Zeitplan einkalkulieren,
- geeignete Unterstützungen und Absteifungen vorhalten,
- geeignete Maßnahmen gegen Absturz treffen,
- Sichtkontrollen an geprüften Anschlag-, Lastaufnahmemitteln und Anschlagpunkten auf Zustand einplanen.
Raster ermöglichen flexible Kubaturen
Trotz aller Unkenrufe erlaubt die serielle Bauweise, Gebäude in Form- und Farbgebung variantenreich zu gestalten. Das Goldbeck-Systemraster basiert auf dem Vielfachen von 0,625 m. Maximal kann die Rasterbreite in Gebäudelängsausrichtung 6,25 m betragen. Jedes Gebäude ist in der Tiefe im Rastermaß also beliebig erweiterbar. Die Rasterflächen lassen sich so wie im „Greenpark“ zu variantenreichen Wohnungskubaturen zusammenfassen. „Allein die teilweise klinkerbesetzten Fassaden vermeiden bereits Monotonie. Jede Wohnung verfügt über eine Terrasse oder einen Balkon, ebenfalls in verschiedenen Ausführungen“, ergänzt der Bauleiter weiter.
Thermische Trennung verhindert Wärmebrücken
Die konventionell an der Wand befestigte Dämmung an den Häusern Nummer 1 bis 14 setzt sich aus nur 14 cm Mineralwolle plus Klinkerriemchen zusammen. Um vertikale Wärmebrücken zu verhindern, bedurfte es daher einer klugen Lösung. Die sah eine thermische Trennung in der Gebäudehülle, der Attika, den Stahlbetonwänden im Kellergeschoss sowie in den Tiefgaragen vor. Diese Vorgehensweise beeinflusst erheblich die positive Energieeffizienz der Gebäude. Dafür sorgt z. B. die wärmebrückenfreie Anschlusslösung des Herstellers Schöck. Damit werden Wärmebrücken direkt im Bauteil gedämmt. Diese Lösung fungiert dabei gleichzeitig als Wärmedämmung und Teil der Statik. Der Wärmefluss aus den Untergeschosswänden in die Bodenplatte wird unterbunden. Die sonst übliche Flankendämmung entfällt. Alle Untergeschosswände wurden als Stahlbeton-Elementwände aus Halbfertigteilen hergestellt. Das Bauteil wurde dann an den vorgesehenen Stellen einfach auf die Wandschalen der Stahlbeton-Elementwände aufgesetzt und danach mit Beton verfüllt.
Eine durchgehend sichere Wärmedämmebene zur thermischen Trennung der Attika gewährleisten Zwischendämmstücke. Wo Stützenköpfe eine punktuelle, energieeffiziente Lastabtragung erfordern, kam ein tragendes Wärmedämmelement für Stahlbetonstützen zu Anwendung.
Im Haus 15 besteht die ebenso 14 cm dünne, schallmindernde Dämmung aus Styropor mit Brandriegel.
Brandschutz
Um den Brandschutz in diesem komplexen Wohnquartier abzusichern, wurden alle Maßnahmen zu R 90 mit Brandschutz-Sets erfüllt. Das umfasst neben Rettungs- und Fluchtwegen, Brandschutztüren mit Türfeststellanlagen, Hausalarmanlagen (Rauchdetektion), Sprinkler in den Tiefgaragen und Rauchableitungen in den Treppenhäusern.
Heizen mit Restwärme
Ursprünglich war geplant, das neue Wohnquartier ans städtische Fernwärmenetz anzuschließen. Es stellte sich jedoch heraus, dass die Restwärme der Abwasseranlagen genutzt werden kann, um effizient mithilfe zweier wassergekühlter Hochtemperatur-Wärmepumpen zu heizen und zu kühlen. Um den Schallpegel der Pumpen im Wohngebiet so niedrig wie möglich zu halten, ist in die Verdichtermotoren spezielle Inverter-Technologie integriert.
Ausblick
Den Antriebsstrom für diese Großwärmepumpen liefern ein separater Trafo 1140 kVA sowie Photovoltaik auf den Dächern. Die sind zudem begrünt und können Regenwasser speichern. Ein nützlicher Beitrag zum besseren Stadtklima der Hauptstadt. Ist die Wohnanlage „Greenpark“ im Frühjahr 2026 bezugsbereit, kann das beweisen, wie serielles Bauen, kombiniert mit klugen Ideen in der gemeinsamen Ausführung, schneller zu mehr Wohnraum führen kann.
Projektdaten
Objekt:
Wohnanlage „Greenpark“ Berlin
Gesamtwohnfläche:
36.000 m²
Bauherr:
H’GROUP BERLIN GREENPARK GmbH & Co. KG
Generalunternehmen:
Goldbeck GmbH
Architektur:
ioo Architekten Elwardt + Lattermann
Fertigteilwerk:
thomas allton GmbH
Bauteile:
Schöck Bauteile GmbH
Bauzeit:
2024 bis 2026
Autorin
Ausgabe
BauPortal 1|2026
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