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Gefahrstoffe

Preisträger des 14. Deutschen Gefahrstoffschutzpreises gekürt

V. l. n. r.: Thomas von der Heyden (Institut für Arbeitsschutz der DGUV), Silvester Siegmann (Vorstand und Geschäftsführer der Freunde und Förderer der
DASA), Felix Franzen (Bomag GmbH), Dipl.-Ing. Rafael Schomaker (Bomag GmbH), Harald Gröner (Vorsitzender der Freunde und Förderer der DASA),
Peer-Oliver Villwock (BMAS)
Bild: Thomas Rafalzyk


V. l. n. r.: Thomas von der Heyden (Institut für Arbeitsschutz der DGUV), Silvester Siegmann (Vorstand und Geschäftsführer der Freunde und Förderer der DASA), Felix Franzen (Bomag GmbH), Dipl.-Ing. Rafael Schomaker (Bomag GmbH), Harald Gröner (Vorsitzender der Freunde und Förderer der DASA), Peer-Oliver Villwock (BMAS)


 

Am 29. September 2022 wurde der Preisträger des 14. Deutschen Gefahrstoffschutzpreises im Rahmen des 16. Arbeitsschutzforums der Gemeinsamen Deutschen Arbeitsschutzstrategie (GDA) bekannt gegeben. Den mit 10.000 Euro dotierten Preis vergab das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) an die BOMAG GmbH für ihre Entwicklung des Ion Dust Shield, einer technischen Lösung zum sicheren Umgang mit krebserzeugenden Stäuben und Rauchen. Zudem erhielt die Ökopol GmbH eine offizielle Belobigung in der Kategorie „Management“ für das Europäische Sozialpartnerprojekt „Reducing Respirable Crystalline Silica Dust Effectively (Weniger Quarzstaub auf Baustellen)“.
 

Alle zwei Jahre lobt das BMAS den Deutschen Gefahrstoffschutzpreis aus. Die 14. Auflage stand unter dem Motto „STOP dem Krebs am Arbeitsplatz – 2022 im Fokus: Stäube und Rauche“. Eine unabhängige Jury hatte die eingegangenen Bewerbungen im Juni 2022 bewertet.
 

Der Deutsche Gefahrstoffschutzpreis


Der Deutsche Gefahrstoffschutzpreis wird alle zwei Jahre vom BMAS vergeben und von der BAuA organisiert, die die Geschäfte des Ausschusses für Gefahrstoffe (AGS) führt.

Der Preis honoriert seit über 25 Jahren unter der Überschrift „Umgang mit Gefahrstoffen sicherer machen, Innovationen fördern“ vorbildliche und wegweisende Aktivitäten zum Schutz der Beschäftigten vor Gefahrstoffen.
 

Warum Stäube und Rauche?

Viele Beschäftigte begegnen täglich am Arbeitsplatz krebserzeugenden Stäuben und Rauchen. Mit der Gefahrstoffverordnung und dem technischen Regelwerk existiert der erforderliche rechtliche Rahmen, um sie bestmöglich vor den damit verbundenen Gefahren zu schützen. Für den Transfer in die Praxis bedarf es jedoch oft praktischer Hilfestellung für Arbeitgeberinnen, Arbeitgeber und Beschäftigte sowie praktischer Lösungen aus den Arbeitsbereichen Industrie, Handwerk und Dienstleistung. Ausgezeichnet wurden deshalb vorbildliche praktische Problemlösungen und Initiativen, die Beschäftigte vor krebserzeugenden Stäuben und Rauchen schützen.
 

Preisträger-Lösung der BOMAG GmbH

Die BOMAG GmbH aus Boppard wurde in der Kategorie „Technische Lösungen“ für die Entwicklung des Ion Dust Shield, einer Straßenfräse mit Elektrostat-Abscheider, ausgezeichnet. Diese Asphaltkaltfräse ermöglicht das staubreduzierte Fräsen von Asphaltbelägen auf Baustellen im Straßenbau.
 

Gelbe Straßenfräse, die am vorderen Ende mit einem blauen Elektrostat-Abscheider ausgestattet ist.
Das ION DUST SHIELD trägt zur Reduzierung der Feinstaubbelastung an Baustellen bei, indem der Staub direkt nach Entstehen beim Fräsprozess abgesaugt und im Gehäuse in Grobstaub umgewandelt wird.
Bild: BOMAG GmbH


Asphaltkaltfräsen dienen im Straßenbau dazu, verschlissene Fahrbahnbeläge, die in der Regel aus Asphaltmischgütern bestehen, durch einen mit Fräsmeißeln besetzten Fräsrotor abzutragen. Anschließend werden neue Fahrbahnbeläge aufgebracht. Beim Kaltfräsen werden die im Asphalt verwendeten Gesteine zerkleinert. Dabei wird Staub freigesetzt. Dieser kann aus einatembarem (E-Staub) und alveolengängigem Staub (A-Staub) inklusive Quarzstaub bestehen.

Mit dem Elektrostat-Abscheider für Straßenfräsen gelingt es, dass die potenziell krebserzeugenden Feinstaubpartikel durch elektrische Aufladung dauerhaft zu ungefährlichem Grobstaub verklumpen und anschließend abgeschieden – also entsorgt – werden. Die Wirksamkeit dieser Technik wurde durch repräsentative Messungen (Expositionsmessungen) auf unterschiedlichen Baustellen in Kooperation der BOMAG GmbH mit dem Institut für Gefahrstoff-Forschung (IGF) der Berufsgenossenschaft Rohstoffe und chemische Industrie (BGRCI) ermittelt.
 

Grafik, die die Staubabsaugung von Staubpartikeln darstellt.
Mithilfe der Staubabsaugung werden Staubpartikel durch ein elektrisches Feld befördert und die positiv geladenen Partikel von dem negativ geladenen Gehäuse angezogen. Dabei verklumpt der Feinstaub dauerhaft zu ungefährlichem Grobstaub.
Bild: BOMAG GmbH


Mit dieser Lösung werden Beschäftigte im Straßenbau, in den Asphaltmischanlagen sowie Anwohnerinnen und Anwohner und Passantinnen und Passanten vor potenziell krebserzeugendem Feinstaub geschützt. Das Preisgeld spendete die BOMAG GmbH an den DASA Förderverein e. V.
 

Belobigung für die Ökopol GmbH

Eine offizielle Belobigung in der Kategorie „Management“ erhielt die Ökopol GmbH aus Hamburg für ihren Beitrag zum Europäischen Sozialpartnerprojekt „Reducing Respirable Crystalline Silica Dust Effectively (Weniger Quarzstaub auf Baustellen)“. Die Ökopol GmbH hat von 2020 bis 2022 dieses Projekt mit Unterstützung der EU-Kommission und im Auftrag der europäischen Sozialpartner im Baugewerbe, der European Federation of Building and Woodworkers (EFBWW) und der European Construction Industry Federation (FIEC) durchgeführt.

Durch das Einatmen von Quarzstaub, insbesondere dessen Feinstaubanteil, kann die Krankheit Silikose (auch bekannt als Quarzstaublunge) entstehen. Dabei handelt es sich um eine permanente Vernarbung der Lunge. Silikose ist die älteste bekannte arbeitsbedingte Lungenerkrankung. Beschäftigte, insbesondere im Baugewerbe, sind Quarzstäuben häufig ausgesetzt. Daher ist es ein wichtiges Anliegen des Arbeitsschutzes, diesen Staub wirksam zu reduzieren.
 


Abb. Mapping „Weniger Quarzstaub auf Baustellen“

Grafik in Tabellenform, die mit rotem X die schlechten Dinge und mit grünem Haken die guten Dinge der Arbeitspraxis aufführt.
Beispiel eines Mappings für Heizungsbau und Sanitär. Das Mapping stellt für mehrere typische Tätigkeiten gute (Grüne) und schlechte (Rote) Arbeitspraxis gegenüber.
Bild: Reinhold Rühl - EFBWW, FIEC, Ökopol GmbH


Das belobigte Projekt hatte das Ziel, den Stand der Umsetzung des europäischen Arbeitsplatzgrenzwerts für alveolengängiges kristallines Siliciumdioxid (Quarzfeinstaub) nach dem aktuellen Stand der Technik zu ermitteln. Basierend auf dieser wissenschaftlichen Erhebung wurde eine genaue Kartierung der Bautätigkeiten vorgenommen und daraus spezifische Leitlinien für die einzelnen Tätigkeiten abgeleitet.
 

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Mapping in zwölf Sprachen

Diese Leitlinien, im Rahmen des Projekts „Mapping“ genannt, konzentrieren sich auf technische und organisatorische Schutzmaßnahmen, die für die verschiedenen Bauberufe spezifisch sind, sowie auf die Identifizierung problematischerer Tätigkeiten, bei denen es schwierig oder nicht möglich ist, den Grenzwert mit den heute verfügbaren Werkzeugen und Technologien einzuhalten.

Das Mapping bildet Vorgaben für eine gute Arbeitspraxis für mehr als 35 Bauberufe ab. Getrennt nach dem jeweiligen Bauberuf  stellt das Mapping mit einer einfachen Grün-Rot-Darstellung gute und schlechte Arbeitspraxis für verschiedene Berufsgruppen und Tätigkeiten einander gegenüber.
 

Weitere Informationen zu den ausgezeichneten Lösungen, den Preisträgern und zum Gefahrstoffschutzpreis unter:
www.gefahrstoffschutzpreis.de
 

Autor

Redaktion BauPortal


Ausgabe

BauPortal 4|2022