Dach- und Zimmererarbeiten

Klinker auf dem Dach bei einem Neubaukomplex in Neuss

Erstmals wurde bei einem Hochbauprojekt das Konzept der gebundenen Systembauweise aus dem Garten- und Landschaftsbau angewandt. Allerdings nicht im Garten oder auf der Zuwegung, sondern auf dem Dach eines Neubaukomplexes der Kirchengemeinde in Neuss. Dort sind keine Dachziegel verbaut, sondern klassische Klinkersteine.

 

Ausgezeichnete Architektur: Die Kindertagesstätte St. Konrad in Neuss wurde vom Land NRW mit dem Kita-Preis 2020 prämiert.
Ausgezeichnete Architektur: Die Kindertagesstätte St. Konrad in Neuss wurde vom Land NRW mit dem Kita-Preis 2020 prämiert.
Bildquelle: © Christian Stoltze/tubag

 

Ziel des Neubaus in Neuss war es, die Gemeinderäume so zu gestalten, dass sie zum veränderten Gemeindeleben passen: Weniger Mitglieder brauchen weniger Platz, durch weniger Platz und gemeinsame Gebäudestrukturen sinken Heiz- und Stromkosten. So liegen Bücherei, Pfarrbüro und Gemeindesaal sowie die Kita in einem Gebäudekomplex.  Für den Neubau waren das alte Pfarrhaus, die alte Bücherei und Kaplanei abgerissen worden.

Beim Neubau des Komplexes mit Pfarrzentrum und Kindertagesstätte St. Konrad haben Bauherr, Architekt, die ausführenden Handwerker und die beteiligten Partner nicht wie üblich Dachziegel verbaut, sondern Klinkersteine, die im halben Steinformat als so genannte Sparverblender im Mörtelbett verlegt wurden. Die insgesamt sieben Gebäude wirken dadurch wie monolithische Baukörper, denn es gibt keine sichtbaren Dachrinnen und an der Fassade wurde derselbe Klinker wie auf dem Dach verwendet. Beides in Anlehnung an die Kirche St. Konrad. Diese wurde vor über 70 Jahren von Gottfried Böhm, dem Vater des jetzt beauftragten Architekten Paul Böhm, erbaut und ist längst ein Denkmal.

 

Die innovativen Klinker-Bauten mit Dach- Wand-Einheit heben sich deutlich von der umliegenden Bebauung ab.
Die innovativen Klinker-Bauten mit Dach- Wand-Einheit heben sich deutlich von der umliegenden Bebauung ab.
Bildquelle: © Christian Stoltze/tubag

 

Eine gewachsene Einheit

Die neuen Gebäude sollten sich nicht von der städtebaulichen Körnung her von der umliegenden Bebauung abheben und dennoch der Kirche zugehörig sein. Es sollte sichtbar werden, dass Kirche und Dorf nicht aus der gleichen Zeit stammen und trotzdem eine gewachsene Einheit ergeben, erklärt Paul Böhm. Für die besondere architektonische Gestaltung mit Dach-und-Wand-Einheit standen Bauwerke Pate, die in ähnlicher Konstruktion bereits realisiert wurden, wie zum Beispiel der Speicherturm des Landesarchivs NRW in Duisburg.

 

Architekt Paul Böhm und sein Team behandelten die Dachflächen wie Platzflächen.
Architekt Paul Böhm und sein Team behandelten die Dachflächen wie Platzflächen.
Bildquelle: Ingo Jensen / tubag

 

Keine Fertigteile

Es gab verschiedene Gedankenansätze, um den monolithischen Gestaltungswunsch der Architekten und die Anforderung einer innenliegenden Entwässerung in die Praxis umzusetzen: „Ursprünglich hatten wir Betonfertigteile im Sinn, bei denen die Klinker bereits werksseitig eingegossen sind. Alternativ war auch eine Lösung mit Pflasterklinker aus dem Gala-Bau in Frage gekommen, die erste Variante war bei genauerer Betrachtung zu teuer. Am Schluss wurden die Dachflächen wie Platzflächen gesehen, vergleichbar mit dem Aufbau einer Tiefgarage“, erklärt Paul Böhm. Genauso wurde es dann auch umgesetzt: Mit herkömmlicher Stahlbetondecke plus EPS-Dämmung, Bitumenabdichtung – und eben mit Pflaster-Klinkersteinen, die auf einer hochbelastbaren Drainagematte in Systembauweise im Mörtelbett verlegt wurden.

 

Maßarbeit auf dem Dach beim Verlegen
der Klinkersteine im Mörtelbett.
Maßarbeit auf dem Dach beim Verlegen der Klinkersteine im Mörtelbett.
Bildquelle: © Christian Goldmann / Gutjahr
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Als zweite Entwässerungsebene wurde auf dem Dach die Drainagematte von Gutjahr verwendet, eine hochbelastbare kapillarpassive Flächendrainage.
Als zweite Entwässerungsebene wurde auf dem Dach die Drainagematte von Gutjahr verwendet, eine hochbelastbare kapillarpassive Flächendrainage.
Bildquelle: © Christian Goldmann / Gutjahr
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Rezepturen angepasst

Speziell für das Neubauprojekt St. Konrad in Neuss änderte das Unternehmen Wienerberger, das die Tonbaustoffe für die gesamte Gebäudehülle lieferte, den Farbton des Dachklinkers KKF ½-DF von Rot auf „leicht bunt“. So konnte er genau an die Farbe des Fassadenklinkers angepasst werden. Darüber hinaus wurde die Rezeptur der Trass-Fugenmörtel TKF (Fassade) und TWM-s (für Lagerfugen, Gratfugen und Stoßfugen) exakt auf die Fugenfarbe der benachbarten Kirche eingestellt. Das übernahm tubag, die Premiummarke des Baustoff- und Logistikunternehmens Sievert SE, die sich bei diesem Projekt um Bettungs- und Fugenmörtel sowie Haftschlämme kümmerte.

 

Vorteil Systembauweise

Das im GaLabau bewährte System aus wasserdurchlässigem Trass-Drainagemörtel und Trass-Naturstein-Haftschlämme erwies sich zusammen mit Komponenten aus dem Restaurationsbereich wie dem Trass-Werksteinmörtel Spezial und den diversen Fugenmörteln auch im Hochbau als stimmig.

Durch die Verlegung in Systembauweise und den Einsatz der Trass-Naturstein-Haftschlämme wird ein besonders starker Haftverbund erzeugt, der die Dachfläche auch bei starken Umwelt- und Witterungseinflüssen zuverlässig schützt. Der hohe Trassanteil der Tubag-Fugenmörtel schützt zudem nachhaltig vor Kalkausblühungen und hält sowohl die Wand- also auch die Dachflächen lange ansprechend.

 

Zweite Entwässerungsebene

Zusätzlich zur innenliegenden Dachrinne wurde bei der besonderen Dachkonstruktion als zweite Entwässerungsebene die Drainagematte AquaDrain HU-EK von Gutjahr verwendet, eine 16 mm hohe hochbelastbare kapillarpassive Flächendrainage, die sich gut zuschneiden lässt. In Kombination mit dem Trass-Drainagemörtel von tubag wurde hier ein bewährtes wasserdurchlässiges System aus dem Garten- und Landschaftsbau quasi zweckentfremdet. Als Dehnfugen fungieren jeweils die 14 Meter langen Gratfugen. Um die Sparverblender bei einer Dachneigung von 45 Grad im Mörtelbett verlegen zu können, wurden auf den Dächern spezielle Konsolen montiert.

 

Auszeichnung mit dem KITA-Preis 2020:

Dass der Neubaukomplex mit Pfarrzentrum und Kindertagesstätte St. Konrad in Neuss etwas ganz Besonderes ist, das haben Architekt Paul Böhm und sein Auftraggeber, die Katholische Kirchengemeinde St. Konrad, jetzt ganz offiziell bestätigt bekommen: Das Land Nordrhein-Westfalen (NRW) und die Architektenkammer NRW zeichneten das Projekt mit dem Kita-Preis 2020 aus.

 

Sievert SE

www.siebert.de

www.tubag.de

 

Bauaufgabe: 
Neubau von Pfarrzentrum und Kita St. Konrad


Planung/Architektur:
Architekturbüro Böhm


Bettungs- und Fugenmörtel, Haftschlämme:
tubag/Sievert SE


Dacharbeiten: 
André Hamacher, Jerzy Wagner und Michael Korczynski


Drainagematte:
Gutjahr


Befestigungstechnik:
Jordahl

 

Autor

Ausgabe

BauPortal 4|2020