Detailansicht Holzhaus von außen | Bildquelle: Horst Pütz

Dach- und Zimmererarbeiten

Ganz und gar auf Holz gebaut

Holzbauunternehmen hat mit seinem Verwaltungsneubau ein außergewöhnliches Vorzeigeobjekt geschaffen und zeigt, wie viel Potenzial im Baustoff steckt

 

Visualisierung des neuen Büro- und Verwaltungsgebäudes
Bildquelle: Firma VIS°UM

 

Die zehn Meter hohe dreigeschossige Konstruktion eines in Holzbauweise errichteten Büro- und Verwaltungsgebäudes ist nicht nur ein ungewöhnliches Bauwerk, sondern überzeugt durch seine konsequente Verwendung von Holz als flexiblem und umweltverträglichem Baustoff. Das Unternehmen Gapp kam mit der Entscheidung, beim Neubau ganz auf Holz zu setzen, zu einem energieeffizienten Gebäude und zu einem Aushängeschild in Sachen Holzbau.

 

Außenansicht des fertiggestellten Neubaus
Bildquelle: Armin Buhl

 

Das Holzbauunternehmen Gapp aus Öpfingen in Baden-Württemberg besteht in der vierten Generation und beschäftigt 50 Mitarbeiter, darunter sechs gewerbliche Auszubildende. Das Unternehmen, das seit 1995 Mitglied der ZimmerMeisterHaus-Gruppe ist, erstellt neben den klassischen Arbeiten im Bereich Holz auch Wohnhäuser in Holzständerbauweise und fertigt gewerbliche Bauten in energieeffizienter Holzbauweise.

Das Unternehmen arbeitet auf einer Produktionsfläche von über 1.750 m2 und hat zusätzlich noch einen umfangreichen Lagerbereich auf dem 7.500 m2 großen Firmenareal. Dank des erfreulichen Aufwärtstrends in der Geschäftsentwicklung benötigte Gapp räumlich mehr Platz im Verwaltungsbereich – sowohl für Mitarbeiter als auch für die sich daraus ergebenden Strukturen, die mehr interne Besprechungen wie auch Präsentationen für externe Besucher bedeuteten. Deshalb baute das Unternehmen erstmals für sich selbst ein Gebäude in Holzbauweise und zeigte damit, was mit dem Baustoff Holz alles möglich ist.

Das Gebäude mit 18 Metern Länge und zehn Metern Breite haben die Experten von Gapp in Holzbauweise in Passivhaus-Technik erstellt – in nur acht Monaten Bauzeit.

Grundriss Erdgeschoss
Bildquelle: Gapp Holzbau

 

Der Entwurf für dieses ungewöhnliche Bauwerk, das an exponierter Stelle auf dem Betriebsgelände der Zimmerei steht, stammt vom Planerteam der Hullak Rannow Architekten aus Ulm, die Tragwerksplanung und Bauphysik von den Holzbau-Experten bei Pirmin Jung Deutschland. An exponierter Stelle auf dem Betriebsgelände der Zimmerei ist das ungewöhnliche Bauwerk ein besonderer Hingucker geworden.

 

Beeindruckendes Erscheinungsbild dank Holz

Der Neubau ist eine dreigeschossige Holzkonstruktion, der durch die Kombination der Werkstoffe Holz und Beton zu einem sogenannten Hybridbau wird.

Genutzt wurden für den Neubau hauptsächlich heimische Hölzer – ergänzt von vielen weiteren ökologischen Materialien, z. B. Holzweichfaserdämmung für Wand und Dach oder Heradesign-Akustikplatten aus Holzwolle für die Decken.

Neu interpretiert wurde auch das Thema „Holzfassade“ von Hullak Ranow Architekten: Die geschwungenen Linien, die sich über das gesamte Gebäude erstrecken, ahmen eine natürlich gewachsene Holzmaserung nach. Auch hier wurde Wert auf heimische Hölzer gelegt – die tragende Pfosten-Riegel-Fassade ist aus Eiche – vorproduziert in der Werkshalle auf dem Betriebsgelände.

Die Bodenplatte besteht aus Stahlbeton, Außenwände und tragende Innenwände sind in Holz-Rahmen-Bauweise in der firmeneigenen Produktionshalle vorproduziert und montiert worden. Nichttragende Innenwände wurden als Metallständerwände vor Ort, unweit der Produktionshalle, eingezogen – ergänzt durch unterschiedliche Deckensysteme.

 

Alle Bereiche wurden atmosphärisch mit Holz gestaltet – der Baustoff als Visitenkarte.
Bildquelle: Horst Pütz
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Alle Bereiche wurden atmosphärisch mit Holz gestaltet – der Baustoff als Visitenkarte.
Bildquelle: Horst Pütz
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Außergewöhnliche Fassade

Die Fassade ist eine Kombination aus einer Holzrahmen-Konstruktion mit einer Pfosten-Riegel-Konstruktion aus Eiche. Die Glasflächen der Pfosten-Riegel-Fassade bilden dabei einen homogenen Übergang zu der – einer Holzmaserung nachempfundenen – vorgesetzten Plattenfassade aus High-Pressure-Laminate-Platten (HPL).

High Pressure Laminate (HPL) besteht aus Holz und synthetischen Harzen und weist eine harte, bruch- und schlagfeste Oberfläche auf. Das witterungsbeständige Material punktet zudem mit einer ausgeprägten Biegesteifigkeit und Langlebigkeit. Die HPL-Bekleidung wurde mit Fest- und Gleitpunkten auf der Unterkonstruktion befestigt. Neben dem beeindruckenden Anblick bieten sie noch einen sehr wirksamen Witterungsschutz.

 

In die Konstruktion integrierten die Holzbau-Experten eine tragende Pfosten-Riegel-Fassade aus Eiche.
Bildquelle: Gapp Holzbau

 

Die abgerundeten Gebäudekanten verleihen dem Baukörper die besonders ungewöhnliche und organische Form. Die sichtbaren Pfosten aus Eichenholz sind dreiseitig auf Abbrand bemessen. Sie haben die Aufgabe, die Deckenlasten an der Fassadenebene über die Außenwände abzutragen. Bei der Lastabtragung werden diese unterstützt durch das in Holzbauweise errichtete Treppenhaus sowie zwei weitere Stahlstützen in der Gebäudemitte. Diese Konstruktion lässt sämtliche Möglichkeiten für eine flexible Nutzung oder einen eventuellen Umbau in der Zukunft offen. Aus diesem Grund wurden alle weiteren Innenwände nicht tragend konzipiert.

 

Bildquelle: Armin Buhl

 

Decken- und Wandkonstruktionen

Im Gebäude wurden drei verschiedene Deckenkonstruktionen eingesetzt, um die vielfältigen Ausführungsmöglichkeiten, die der Holzbau bietet, aufzuzeigen: eine Vollholzdecke, eine „Lignotrenddecke“ und eine Holz-Beton-Verbundkonstruktion.

Die Holz-Beton-Verbunddecke setzt sich aus untenliegenden, 10 cm dicken Brettschichtholzelementen und bauseits hergestellten Ortbetondecken (d = 14 cm) zusammen. Die Schubkräfte zwischen Holz und Beton werden im Wesentlichen über eingefräste Schubkerven übertragen. In den Beton ist neben der erforderlichen Zugbewehrung eine einlagige Schwindbewehrung mit Abstandshaltern auf den Brettschichtholzelementen eingelegt.

Die Oberflächen der Deckenvarianten sind alle akustisch wirksam ausgebildet. Somit ist eine schalltechnisch optimale Raumqualität in allen Büro- und Aufenthaltsbereichen gewährleistet.

Die in der Produktionshalle vorgefertigten Außenwandelemente bestehen im Wesentlichen aus vier Komponenten: der Tragkonstruktion Holz, der Wärmedämmung, der Befestigungskonstruktion für die Verglasung und der Innenverkleidung aus Gipsfaserplatten. Zur Steuerung von Komponenten der technischen Gebäudeausstattung wurden Leitungssysteme in die Wände integriert.

Das Raumbild innen wird durch warme Eichenholzböden in den Besprechungsräumen, Büros im ersten und zweiten Stockwerk, Türzargen aus Eichenholz sowie Feinsteinzeug-Böden abgerundet.

 

Sicheres Arbeiten im Fokus – an jeder Stelle

Gapp Holzbau als Bauherr und Arbeitgeber zugleich nimmt Sicherheit und Gesundheit auf den Arbeitsstätten sehr ernst – sowohl in der Verwaltung als auch in den Produktionshallen und auf den Baustellen. Als persönliche Schutzausrüstung (PSA) erhielten die Zimmerer Bildschirm- bzw. Arbeitsplatzbrillen, individuellen Gehörschutz, Schutzhelme sowie entsprechende PSA zum Fußschutz.

In der Produktionshalle tragen alle Mitarbeiter zudem Schutzkleidung. Ebenfalls wird schon in der Vorfertigung auf sichere Abläufe und eine Ausstattung geachtet, die sicheres Arbeiten unterstützt.

Sobald die Mitarbeiter schließlich auf den Baustellen arbeiten, greift ebenfalls eine Reihe von Sicherheitsvorkehrungen. Entsprechend der Baustellenverordnung (BaustellV) wurde vor Baubeginn ein Sicherheits- und Gesundheitsplan erstellt und ein Sicherheits- und Gesundheitsschutzkoordinator (SiGeKo) mit den Maßnahmen für den Arbeitsschutz beauftragt.

Der SiGeKo stimmt diese Maßnahmen mit allen am Bau beteiligten Unternehmen ab. Während der Bauausführung müssen die festgelegten Maßnahmen und Arbeitssysteme überwacht und hinsichtlich ihrer Wirksamkeit geprüft werden. Dazu sind Arbeits- und Handlungsanweisungen von den beteiligten Unternehmen schriftlich zu erstellen, abzustimmen, den Baubeteiligten zur Verfügung zu stellen und auf der Baustelle umzusetzen.

 

Gerüst nach Vorschrift

Während der Bauarbeiten wurden Schutzgerüste an die Gebäude angebracht und gemäß der berufsgenossenschaftlichen Unfallverhütungsvorschriften geprüft. Alle Gerüste werden schon gefährdungsreduziert aufgebaut. So können die Beteiligten trotz der Höhe bei mehreren Stockwerken schließlich sicher und zügig arbeiten.

Die Holzbau-Experten werden zudem fortwährend über einen sicherheitsgerechten Ablauf auf Baustellen gemäß den gesetzlichen Arbeitsschutz-Anweisungen unterwiesen.

 

Sichere Vorfertigung in Produktionshalle

Das Vorelementieren der kompletten Bauelemente einschließlich Fensteraussparungen im Werk des Zimmerei-Unternehmens Gapp Holzbau war bei diesem Bauvorhaben für die Arbeiten vor Ort bereits ein erheblicher Vorteil und trug zur Prävention von Gefährdungen bei. Denn durch die wetterunabhängige Vorfertigung wird die Zeit der Arbeiten auf der Baustelle enorm verkürzt und die Gefahr von Unfällen ebenso reduziert.

 

In der Produktionshalle werden Bauelemente vorgefertigt.
Bildquelle: Gapp Holzbau

 

Regelmäßige Sicherheitsschulung

In den vergangenen Jahren hat sich bei Gapp die jährliche Fortbildung durch externe Sicherheitsschulungen bewährt. „Investitionen in den Arbeitsschutz lohnen sich immer“, sagt Dipl.-Ing. Emanuel Maier, Geschäftsführer Gapp Holzbau. „Auch individuell kann man Vorkehrungen treffen, indem man Sicherheitshelme, Warnwesten und Absturzsicherung mit Höhensicherungsgeräten nutzt. Wir führen zudem in vierteljährlichen Abständen Sicherheitsberatungen vor Ort auf den Baustellen und in der Abbundhalle durch die Firma AST in Blaustein durch. Die Resonanz ist sehr gut.“

 

Energetisch fit

Das Unternehmen Gapp Holzbau orientiert sich mit energieeffizienten Wohnanlagen und schlüsselfertiger Holzbauweise an dem Ziel der Bundesregierung, den Energiebedarf von Gebäuden bis zum Jahr 2021 erheblich zu reduzieren. Daher wundert es nicht, dass das eigene Bürogebäude in Sachen Energieeffizienz auf dem neuesten Stand der Technik ist. Der Holzbau bietet dafür einige ökologische und energieeffiziente Pluspunkte. Ein Vorteil sind die warmen Bauteiloberflächen, die sowohl als Wärmespeicher als auch als Dämmung fungieren, sodass die große Hitze im Sommer nicht ins Gebäude vordringen kann.

Der gewählte Dämmstoff Holzweichfaser bringt dagegen Vorteile für den Schall- und den Brandschutz mit. Zusätzliche Wärmedämmung der Wände und aller außenliegenden Bauteile wie Türen, Fenster und Dach stand für das Unternehmen generell im Fokus.

Das Gebäude hat daher jetzt als Passivhaus energetisch einiges zu bieten. Die moderne 260 mm starke Holzfaserdämmung in den Außenwänden mit einer Wärmeleitfähigkeit von 038 schützt den Bau wirksam vor Hitze und Kälte.

Der erreichte U-Wert liegt mit 0,136 W/m2·K unter dem gesetzlichen Standard.

Durch die effektive passive Solarnutzung über die großen Fensterflächen gewinnt das Haus zusätzlich an Energie. Die großflächige Photovoltaikanlage mit 14 kWp auf dem Dach produziert mehr Strom als in dem Gebäude verbraucht wird. Der überschüssige Strom wird ins öffentliche Netz eingespeist.

Die Lüftungstechnik spielt ebenfalls eine wesentliche Rolle im Energie-Konzept: Die Zuluft wird anhand eines Erdwärmetauschers im Winter gewärmt und im Sommer gekühlt. Der entstehenden Abluft wird die restliche verwertbare Energie entzogen, der Anlage wieder zugeführt und somit verwertet. Diese Technik stellt 365 Tage rund um die Uhr die Frischluft zur Verfügung. Alle weiteren verwendeten Materialien wie die ausgewählten Schallschutzelemente, Wand- und Bodenbeläge sind ebenso natürlich wie umweltfreundlich.

Alle technischen Versorgungsleitungen wurden bereits in der Vorfertigungsphase in die dafür vorgesehenen Ausfräsungen eingebaut.

Beheizt werden die drei Stockwerke umweltschonend und kostengünstig mit den anfallenden Holzresten aus der firmeneigenen Produktion.

 

Eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung unterstützt die angenehme Raumatmosphäre und sorgt in Sommer wie Winter für gutes Raumklima – auch in den Besprechungsräumen.
Bildquelle: Horst Pütz

 

Bauen mit Holz – vorteilhaft in vielerlei Hinsicht

Das Unternehmen ist überzeugt, dass ein konsequenter Wandel in Richtung „Umweltverträgliches Bauen“ mit dem dafür bestens geeigneten Baustoff Holz nicht nur möglich, sondern auch dringend notwendig ist. Die Optik des Gebäudes außen und universelle Präsenz des Baustoffs Holz von innen macht die Unternehmenszentrale zum Spiegelbild der Unternehmensausrichtung. Zudem können Holzgebäude wie dieses in kurzer Bauzeit aufgestellt werden.

Darüber hinaus erlaubte die Holzbauweise eine gute Strukturierung des Gebäudes, das mit einer Nutzfläche von rund 400 m2 jetzt ausreichend Platz für Technik- und Besprechungsräume sowie eine große Lobby bietet.

 

Bauaufgabe:
+ Neubau einer firmeneigenen Bürozentrale
+ Kompakter Baukörper mit geschwungenen Ecken


Bauherr:
GAPP Bau Dienstleistung UG & Co. KG, Öpfingen


Architektur:
Hullak Rannow Architekten, Ulm


Statik:
Pirmin Jung Ingenieure für Holzbau und Bauphysik


Holzbau:
Gapp Holzbau, Öpfingen


Bauzeit:
8 Monate


Besondere Highlights:

  • Beheizung über eigenes Nahwärmenetz der Firma Holzbau Gapp
  • Verbrennung von Abfallholz
  • Photovoltaikanlage
  • Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung
  • Wellenartige Fassade in Form von Holzmaserung
  • Extensive Dachbegrünung
  • Außenwände und tragende Innenwände
  • In Holzrahmenbauweise

Die ZimmerMeisterHaus-Manufaktur Gapp Holzbau ist mit seiner ökologischen und ökonomischen Bauweise weit über die Region als Musterbetrieb bekannt. Die ZimmerMeisterHausGruppe® ist eine Vereinigung von bundesweit rund 100 Holzbau-Manufakturen.

 

Autor

Eva Mittner

Freie Baufachjournalistin


Ausgabe

BauPortal 4|2020