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Messestand mit offenem Holzhaus, an dem draußen Gerüste und Treppen angebracht sind.
Bild: Michael Gottschalk - BG BAU

Dach- und Zimmererarbeiten

Rückblick auf die DACH+HOLZ International 2022

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Die DACH+HOLZ International 2022, der Branchentreffpunkt für das Dachdecker- und Zimmererhandwerk, fand einmalig im Sommer, vom 5. bis 8. Juli 2022, in Köln statt. Auf der Messe wurden nicht nur Lösungen aus den Bereichen Holzbau und Ausbau, Dach-, Wand-, Abdichtungs- und Klempnertechnik präsentiert, sondern auch aktuelle Themen der Branche in vielfältiger Form aufgegriffen.

 

Wie schon in den vergangenen Jahren wurden auf der DACH+HOLZ International im Rahmen des Forums zu unterschiedlichen Themen Akzente gesetzt, die sich allesamt mit der Zukunft dieses Handwerks auseinandersetzten.

So ging es am ersten Messetag um die Förderung und die Ansprache des Nachwuchses. Wie viele andere Branchen hat auch das Dachdecker- und Zimmererhandwerk Nachwuchsprobleme. Influencerinnen und Influencer können mit ihren Beiträgen in den sozialen Medien die Sicht auf die Arbeit in diesen Gewerken verändern und die Brücke von jungen Menschen zu traditionellen Handwerksbetrieben schlagen. Junge Menschen heißt auch in diesem Handwerk zunehmend mehr junge Frauen. Um weibliche Erfolgsstorys im Dachdecker- und Zimmererhandwerk ging es am zweiten Messetag. In einer Diskussionsrunde waren sich die teilnehmenden Dachdeckerinnen einig, dass Frauen auf dem Bau dazugehören und das Gleiche wie Männer leisten können. Einhellig wünschten sie sich, dass in zehn Jahren das Thema „Frauen im Handwerk“ nicht mehr Titel einer Diskussionsrunde sein sollte.

 

Blick aus den Zuschauerreihen auf das Podium, wo gerade fünf Frauen diskutieren.
Diskussionsrunde Dachdeckerinnen
Bild: GHM

 

In Sachen Aktivität in den sozialen Medien haben sowieso schon die Frauen die Nase vorn. Viele Instagram-Kanäle fürs Dachdecker- und Zimmererhandwerk werden von Frauen betrieben. Einige der Influencerinnen nahmen auch an einem Messerundgang teil, der von der Gesellschaft für Handwerksmessen mbH (GHM) angeboten wurde. Der Rundgang führte u. a. zum Stand der BG BAU.

Aber nicht nur die Nachwuchsgewinnung spielte eine Rolle auf der Messe, sondern auch die Digitalisierung und Innovationen der Branche. Passend dazu konnten Start-ups am Donnerstag in einem kurzen Pitch ihre Lösungen präsentieren. Weitere Themen auf der Messe waren Holzrahmenbau, Zukunft des Bauens und Nachhaltigkeit, die in Messerundgängen und Forumsdiskussionen zu erleben waren.

 

Impression vom Messestand, an dem gerade eine Frau mit PSA oben auf einer Hubarbeitsbühne steht.
Influencerin mit PSAgA auf Hubarbeitsbühne am Messestand
Bild: GHM

 

Messerundgang zum Thema „Arbeitssicherheit“

Der Rundgang am letzten Messetag führte zunächst zu einem Stand, an dem eine Absturzsicherung für Dachausstiege am Flachdach gezeigt wurde. Diese lässt sich im Neubau, aber auch im Bestand, durch ein einstellbares Spannsystem herstellerunabhängig an den Aufsetzkranz des Dachausstiegs klemmen, sodass weder die Abdichtung noch das Flachdachfenster durch Bohrungen verändert werden. An der nächsten Station wurden aktuelle Lösungen vorgestellt, die die Anforderungen an Gerüste der Technischen Regel für Betriebssicherheit (TRBS) 2121 „Gefährdung von Beschäftigten durch Absturz“ erfüllen – wie etwa der systemimmanente vorlaufende Seitenschutz. Dieser Seitenschutz bietet für das jeweilige Gerüstsystem beim Erstellen eine vorlaufende Absturzsicherung und verbleibt nach der Montage im Gerüst.

Ein Gerüst speziell für das Flachdach konnten die Teilnehmenden am darauffolgenden Stand kennenlernen. Durch das vom Hersteller entwickelte System bleibt das Flachdach stützenfrei, sodass die Abdichtung unkompliziert verlegt werden kann und keine Stolperfallen entstehen. Besonders interessant für Zimmerleute war der Stand, an dem eine Montageanlage für die Vorfertigung von Holzrahmenbauelementen präsentiert wurde. Mit einer Dachtraverse können Dachelemente sicher angehoben, verladen oder montiert werden, dafür werden mittels eines verschiebbaren Hakens die Latten als Anschlagmittel benutzt – es sind somit keine zusätzlichen Schlaufen notwendig.

Den Abschluss des Rundgangs bildete der Stand der BG BAU, der unter dem Motto „Mit kühlem Kopf nach oben“ Lösungen für sicheres Arbeiten in der Höhe zeigte.

 

Impression vom Montagetisch auf der Messe, über dem Tisch hängt die Traverse.
Messestand der BG BAU mit Montagetisch
Bild: Michael Gottschalk - BG BAU

 

„Mit kühlem Kopf nach oben“

Der Gemeinschaftsstand von BG BAU, dem Zentralverband des Deutschen Dachdeckerhandwerks (ZVDH) und von Holzbau Deutschland bot reichlich Interaktion. Hier erlebte das Messepublikum nicht nur die Welt des Arbeitsschutzes, sondern konnte erfahren, wie auch die Themen Nachhaltigkeit und Green Building in Dach- und Zimmererhandwerk Einzug halten.

Schwerpunkt „Sicheres Arbeiten in der Höhe“

Ob beim Aufstellen des Dachstuhls oder dem Einschalen und Schließen der Dachhaut – an hochgelegenen Arbeitsplätzen lauern Gefahren. Mögliche Folgen sind oft schwere Unfälle, die auch mit dem Tod enden können. Viele Absturzunfälle lassen sich auf fehlende oder mangelhafte Sicherungseinrichtungen zurückführen. Deshalb lag der Fokus des Messestands auf sicheren Lösungen entsprechend dem (S)TOP-Prinzip: von technischen Maßnahmen wie Vorfertigung und Gerüste mit Treppenturm über organisatorische Maßnahmen wie Schutznetze bis zu personenbezogenen Maßnahmen wie der Persönlichen Schutzausrüstung gegen Absturz (PSAgA). So wurde z. B. an einem Holzhaus die richtige Ausführung der Gerüstkonstruktion gezeigt. Zwei Montagetische verdeutlichten die Möglichkeiten der Vorfertigung von Dach- und Wandelementen, die parallel auch noch virtuell per VR-Brille erkundet werden konnten.

 

Messestand mit offenem Holzhaus, an dem draußen Gerüste und Treppen angebracht sind.
Messestand der BG BAU
Bild: Michael Gottschalk - BG BAU

 

Tägliche Shows

In täglichen Shows präsentierten die Fachleute der BG BAU die aktuellen Lösungen fürs sichere Arbeiten in der Höhe. Zum einen wurde die Vormontage von Dach- und Holzteilen an Montagetischen erläutert und zum anderen wurden Leiter-Alternativen vorgestellt.

Neben mobilen Kleinsthubarbeitsbühnen, die mit Verwendung einer PSAgA einen guten Schutz bei Arbeiten in der Höhe bieten, erfuhren Automatikhaken ein großes Interesse beim Messepublikum. Die Haken, die über eine Funk-Fernbedienung gesteuert werden, erübrigen den Gang in die Höhe, da das Abschlagen vom Boden aus erledigt werden kann. Automatikhaken sind in der Industrie schon seit mehr als zehn Jahren gängig, in der Bauwirtschaft sind sie aber noch relativ unbekannt.

 

Zwei Männer schauen an einem Messetisch zu, wie ein dritter ein Holzstück an einem Seil mit Automatikhaken hochzieht.
Präsentation Automatikhaken
Bild: Michael Gottschalk - BG BAU

 

Virtuelle Erkundung der Vormontage

Dank VR-Brille konnten Standbesucherinnen und -besucher außerdem in eine virtuelle 360°-Umgebung eintauchen und die Vorteile der Vormontage dort eigenständig und interaktiv erkunden.

 

Drei Männer mit Zimmermannskleidung sitzen auf roten Stühlen und testen eine VR-Brille.
VR-Anwendung am Messestand der BG BAU
Bild: Michael Gottschalk - BG BAU

 

Was gab es noch am Stand zu entdecken?

Außer Absturzgefahren spielen Gefahrstoffe für das Zimmerer- und Dachdeckergewerk eine Rolle, vor allem Holzstäube. Passend dazu wurden am Stand Lösungen wie ein gebläseunterstützter Helm und Staubschutzanzug vorgestellt, deren Anschaffung als Arbeitsschutzprämie gefördert wird. Darüber hinaus waren die digitale Gefährdungsbeurteilung im Zimmerer- und Dachdeckerhandwerk, AMS BAU – das Arbeitsschutzmanagementsystem der BG BAU – sowie digitale Angebote in Form der Serviceportale und der Mitmach-Plattform Themen am Messestand.

 

Ein Mann steht am Messestand mit geöffnetem Laptop und zeigt einem Besucher etwas auf dem Bildschirm.
Beratung zu Holzstaub und Gefahrstoffen
Bild: Michael Gottschalk - BG BAU

 

Weitere Highlights

Die anderen Aussteller am Gemeinschaftsstand, ZVDH und Holzbau Deutschland, haben mit den Vorträgen von André Büschkes vom Dachdeckerunternehmen Hans-Dieter Büschkes und Michael Zimmermann die Praxis an den Messestand geholt. André Büschkes berichtete, wie in seinem Betrieb unter dem Motto „Vision Zero“ seit sieben Jahren unfallfrei gearbeitet wird, und bezog mit einigen Schätzfragen das Messepublikum in das Thema „Sicheres Arbeiten“ mit ein. Michael Zimmermann erklärte, warum die Energiewende ohne Photovoltaik-Anlagen auf Dächern nicht funktioniert und welchen Anteil das Dachdecker- und Zimmererhandwerk daran hat.

Am letzten Messetag wurde auch die aktualisierte Dachlatten-Vereinbarung öffentlich am Gemeinschaftsstand unterzeichnet.

 

Andres Büschkes mit Mikrofon steht auf einer Messebühne, neben ihm das Maskottchen Safety.
Vortrag von Andre Büschkes
Bild: Michael Büschkes
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Michael Zimmermann bei einem Vortrag auf der Bühne am BG BAU-Messestand.
Vortrag von Michael Zimmermann
Bild: Anke Templiner - BG BAU
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Ferngesteuerter elektrischer Automatikhaken

Beim Abschlagen von Lasten sind oftmals Arbeiten in der Höhe durchzuführen. Hierzu werden Leitern als Auf- und Abstieg bzw. als Arbeitsplatz verwendet. Die Nutzung von Leitern ist eine der häufigsten Unfallursachen bei Bauarbeiten. Eine Alternative zur Vermeidung der Absturzgefahr ist beispielsweise der Automatikhaken mit Fernauslösung.

Der Automatikhaken ermöglicht das sichere Abschlagen von Anschlagmitteln ohne Absturzgefahr. Beschäftigte bleiben am Boden und führen die Arbeiten in der Höhe mit einem ferngesteuerten Automatiksystem durch. Eine spezielle Sicherung sorgt dafür, dass der Automatikhaken nicht unter Last geöffnet werden kann.

Zudem spart der Automatikhaken mit Fernbedienung als arbeitserleichterndes Montagetool Zeit auf der Baustelle.

 

Automatik-System mit einem Automatikhaken.
Automatikhaken
Bild: H.ZWEI.S Werbeagentur GmbH / (c) BG BAU

 

Die BG BAU fördert die Anschaffung des Automatikhakens mit Fernauslösung als Arbeitsschutzprämie:

  • Im Rahmen der beitragsabhängigen Förderung pro Maßnahme mit bis zu 50 % der Anschaffungskosten, max. 1.500 Euro.
  • Im Rahmen der beitragsunabhängigen Förderung pro Maßnahme 50 % der Anschaffungskosten, bis zur maximalen Fördersumme.
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Autor

Redaktion BauPortal


Ausgabe

BauPortal 3|2022