Baustofftrends 2026
Dank Rohstoffknappheit und hohen CO₂- Emissionen rücken neue Materiallösungen beim Bauen immer mehr in den Fokus. Innovative naturbasierte und intelligente Baustoffe zeigen, wie nachhaltiges Bauen in Zukunft funktionieren kann.
Die Verfügbarkeit herkömmlicher Baustoffe wie Gips, Stahl und Beton nimmt kontinuierlich ab. Ihre Herstellung ist energieintensiv, verursacht hohe Schadstoffemissionen und bindet erhebliche Mengen begrenzter Ressourcen. Durch etablierte Rückbaukonzepte und Recyclingstrategien lässt sich der Rohstoffbedarf bereits senken, dennoch entsteht weiterer Handlungsbedarf. Ökologische Baustoffe entwickeln sich zu einem wichtigen Instrument auf dem Weg zu einer klimaneutralen Bauwirtschaft. Zahlreiche nachhaltige Materialien sind bereits auf dem Markt und können den Bausektor deutlich entlasten.
Zu den bekanntesten nachhaltigen Baustoffen gehören nicht nur Holz und Hanf, sondern auch Lehm, Flachs oder Kalkputze. Zunehmend werden auch weitere umweltfreundliche Materialien ausprobiert und weiterentwickelt.
Pilzmyzel
Pilzmyzel ist ein biobasierter Werkstoff, der aus Reststoffen wächst und in der Herstellung weniger energieintensiv als herkömmliche Baustoffe ist. Hierbei fungiert das Pilzgeflecht als biologischer „Klebstoff“, das pflanzliche Substrate wie Stroh oder Holzspäne durchwächst. Wird dieses Ausgangsmaterial zerkleinert, lässt es sich in verschiedene Formen pressen. So arbeitet beispielsweise das Fraunhofer Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik (UMSICHT) an schallabsorbierenden Platten, deren Dämmwerte mit denen von expandiertem Polystyrol vergleichbar sind. Der Unterschied: Die Myzel- Dämmplatten sind vollständig kompostierbar.
Biobasierte Ziegel
Lehmziegel aus Pflanzenfasern sind ein traditionelles Baumaterial. Moderne Varianten integrieren jedoch Hanf oder Myzel, wobei sich Letztere aktuell noch im Forschungs- und Demonstrationsstadium befinden. Lehmziegel können ohne Brennvorgang luftgetrocknet werden, was den Energieaufwand und CO2-Ausstoß erheblich reduziert. Diese Produkte eignen sich in erster Linie für nichttragende Wände oder leichte Konstruktionen, vor allem in der Sanierung und Denkmalpflege, etwa bei Fachwerk- und historischen Gebäuden. Mit der neuen Norm DIN 18940 können tragende Lehmsteinmauern inzwischen auch in höheren Gebäudeklassen geplant werden. Pilotprojekte und serienfähige Lehmhohllochziegel machen Lehm im modernen Massivbau praktikabel.
Am Karlsruhe Institut of Technology hergestellte Pilzwerkstoffplatten
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Popcorn-basierte Dämmplatten
Im Innenausbau könnten Popcorn-basierte Dämmplatten in Zukunft eine umweltfreundliche Alternative zu Gipskartonwänden sein. Für diese Paneele wird Maisgranulat erhitzt, bis es aufpoppt und eine leichte, poröse Struktur bildet. Kombiniert mit Naturfasern wie Flachs oder Hanf entstehen stabile Sandwichplatten, die sich für Innenwände, Trockenbau-Elemente oder Dämmungen eignen. Auch diese Platten überzeugen mit guten Dämmeigenschaften. Universitätsprojekte und Start-ups testen derzeit, wie sich die Produkte in verschiedenen Bauanwendungen bewähren.
Flachs- und Bio-Harzverbundstoffe
Flachs- und Bio-Harzverbundstoffe sind ein gutes Beispiel dafür, wie stabile und leichte Bauteile aus nachwachsenden Materialien hergestellt werden können. Dafür werden Naturfasern wie Flachs oder Hanf zu Geweben verarbeitet und mit Bio-Harzen zu Bauteilen verbunden. Die Materialien sind deutlich leichter als Stahl oder Beton und reduzieren Transport- und Montageaufwand. Bekannt geworden sind sie u. a. durch das Brückenprojekt „Smart Circular Bridge“, an dem auch eine Forschungsgruppe der Universität Stuttgart beteiligt war. Entstanden sind zwei Fußgänger- bzw. Fahrradbrücken in Almere (Niederlande) und Ulm.
Selbstheilender Beton
Zwar kein Naturmaterial, aber dennoch nachhaltig gedacht ist selbstheilender Beton. Dieser enthält spezielle Bakterien, die bei Rissbildung aktiviert werden. Sobald Wasser eindringt, produzieren die Mikroorganismen Calciumcarbonat, das kleine Risse selbständig verschließt. Dadurch erhöht sich die Lebensdauer von Betonbauwerken, und der Sanierungsaufwand sinkt. Erste Anwendungen finden sich im Infrastrukturbau, etwa bei Brücken und Tunneln. Forschende arbeiten jedoch daran, das Verfahren wirtschaftlicher und für den breiten Einsatz tauglich zu machen (mehr dazu auch im Beitrag “Mit Mikroorganismen versetzter Zement”).
Arbeitsschutz mit Naturmaterialien
Naturbasierte Dämmstoffe setzen z. B. weniger schädliche Stoffe frei als konventionelle Materialien und belasten Haut und Atemwege nur gering, dennoch muss für die sichere Nutzung auf das jeweilige Material und dessen Verarbeitung geachtet werden. Daher ist eine sorgfältige Gefährdungsbeurteilung unerlässlich, um geeignete Schutzmaßnahmen abzuleiten.
Potenziale neuer ökologischer Materialien
Diese neuen Baustoffe zeigen, dass nachhaltiges Bauen nicht nur eine Frage nachwachsender Rohstoffe ist, sondern auch von innovativen Technologien, Kreislaufdenken und intelligenten Materialkombinationen abhängt. Sie haben ökologische sowie gesundheitliche Vorteile und erweitern gestalterische Möglichkeiten. Die Weiterentwicklung industrieller Prozesse und geeignete politische Rahmenbedingungen werden darüber entscheiden, wie schnell derartige neue Materialien in die Serienproduktion gehen können und sich im Markt etablieren. Die aktuellen Innovationen zeigen jedoch, dass der Grundstein für eine moderne, nachhaltige Baukultur bereits gelegt ist.
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BauPortal 1|2026
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