Die sicheren Elf: die Interview-Serie zu AMS BAU

Frau steht auf Treppe und lächelt in die Kamera.
Julia Werner, Geschäftsführerin WERNER companies GmbH
Bildquelle: BG BAU
Bildquelle: BG BAU

AMS BAU ist ein branchenspezifisches Arbeitsschutzmanagementsystem (AMS) der BG BAU, das Unternehmen der Bauwirtschaft und baunaher Dienstleistungen in elf Arbeitsschritten strukturiert und ganzheitlich an die Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit heranführt und mit einer freiwilligen Begutachtung nach AMS BAU abschließt. Seit 2019 bietet die BG BAU an, gleichzeitig mit einer AMS-BAU-Begutachtung auch die Anforderungen nach der weltweit geltenden Norm DIN ISO 45001 an ein AMS kostenfrei zu überprüfen. Dies ermöglicht Unternehmen somit auch international den Nachweis ihres AMS, z. B. bei Ausschreibungen und Auftragsvergaben.
 

Verschiedene Mitgliedsunternehmen der BG BAU haben das Angebot der Begutachtung nach AMS BAU und DIN ISO 45001 bereits genutzt und berichten über ihre Erfahrungen.

Diesmal im Interview:

Julia Werner, Geschäftsführerin WERNER companies GmbH
 

1. Welche Gründe hatten Sie für die Einführung eines Arbeitsschutzmanagementsystems (AMS) in Ihrem Unternehmen?

Mit dem AMS haben wir nicht nur Rechtskonformität geschaffen, sondern erhalten auch die Sicherheit, dass in unserem Unternehmen für die Gesundheit und Sicherheit unserer Beschäftigten gesorgt ist. Ein weiterer Vorteil ist, dass nach und nach auch bei unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ein Bewusstsein für Arbeitssicherheit geschaffen wurde. Zudem konnten wir zeigen, dass uns Gesundheit und Sicherheit der Menschen, die bei uns arbeiten, wichtig sind, was letztendlich auch die Verbundenheit mit unserem Unternehmen verstärkte.
 


 

2. Warum haben Sie sich bei der Begutachtung für eine Kombination aus AMS BAU und DIN ISO 45001 entschieden?

Wir arbeiten bereits mit einem integrierten Managementsystem in den Bereichen Qualität (DIN ISO 9001) sowie Umwelt (DIN ISO 14001). Deshalb war es uns wichtig, auch beim Thema Arbeitssicherheit (DIN ISO 45001) auf ein integriertes Managementsystem zu vertrauen und so eine einheitliche Umsetzung zu gewährleisten. Die Themen Qualität und Umwelt hatten bei uns bereits eine sehr hohe Gewichtung und durch die Ergänzung des AMS BAU wird nun auch ein gleichermaßen starker Schwerpunkt auf die Arbeitssicherheit gelegt. Darüber hinaus erwarten unsere Kundinnen und Kunden, vor allem aus der Automobilbranche, dass wir den internationalen Standards entsprechen.
 


 

3. Wie haben Ihre Beschäftigten die Einführung von AMS BAU wahrgenommen? Beteiligen sie sich jetzt z. B. mit entsprechenden Verbesserungsvorschlägen?

Unsere Beschäftigten reagierten sehr positiv auf die Einführung von AMS BAU, weil sie tatsächlich auch die Vorteile sahen. Es gibt jetzt z. B. einheitliche und verständliche Richtlinien zu der Organisation in den einzelnen Objekten, wodurch das Verständnis für Arbeitssicherheit und für die entsprechenden Maßnahmen gestärkt wurde.
 


 

4. Wie hat Ihnen die BG BAU bei der Einführung und Umsetzung von AMS BAU geholfen?

Wir haben uns sehr an den Umsetzungshilfen bzw. branchenspezifischen Handlungshilfen der BG BAU für AMS orientiert, die sich durch das strukturierte Abhandeln der elf Arbeitsschritte von AMS BAU ergeben. Darüber hinaus wurden wir regelmäßig in der projektbegleitenden Beratung zum Aufbau eines AMS durch die BG BAU unterstützt.
 



5. Wie wurden Sie von der BG BAU zum Aufbau einer geeigneten Organisation, zum Beschaffungsvorgang oder zur Auswahl von Nachunternehmen beraten?

Auch hier erwiesen sich die Umsetzungshilfen der BG BAU durch die elf Arbeitsschritte sowie konkrete Hinweise zur Umsetzung, wie etwa, dass wir nun auch im Punkt Beschaffung bei Unklarheiten den Betriebsarzt heranziehen, als hilfreich.
 


 

6. Wie wirken sich die durch AMS BAU festgelegten Anforderungen an Sicherheit und Gesundheit bei der Beschaffung oder der Beauftragung von Nachunternehmer/-innen aus?

Wir achten verstärkt darauf, dass zwischen Nachunternehmen und unserem Unternehmen eine einheitliche Linie in diesem Bereich gewährleistet wird. Als positives Ergebnis der Einführung eines AMS sind nun die Schnittpunkte zwischen unseren Nachunternehmen und uns weiter rechtskonform präzisiert worden.
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7. Wie hat Sie die BG BAU bei der Vermeidung oder Verminderung von Gefährdungen unterstützt?

Die BG BAU hat uns nicht nur auf häufige Gefährdungen beim Umgang mit Gefahrstoffen, bei Arbeiten auf Leitern und Tritten oder auf ergonomische Belastungen explizit in unserer Branche aufmerksam gemacht, sondern auch auf Lösungen hingewiesen, mit denen die Gefährdungen minimiert werden. Viele werden z. B. als Arbeitsschutzprämie von der BG BAU gefördert.
 


 

8. Welche wichtigsten Maßnahmen haben sich durch die Begutachtung Ihres Unternehmens nach AMS BAU ergeben?

Für uns war es sehr wichtig, dass es jetzt feste Richtlinien gibt, an denen sich die Beschäftigten orientieren. An erster Stelle ist hier die regelmäßige Sensibilisierung durch Schulung und Unterweisung mit anschaulichem Bildmaterial zu nennen.
 



9. Wie haben Sie den arbeitsmedizinischen Dienst und Fachkräfte für Arbeitssicherheit in AMS BAU eingebunden und welche Erfahrungen haben Sie daraus für sich abgeleitet?

Auf auffälligsten war, dass sich die Kommunikation zu Betriebsärzten und Fachkräften für Arbeitssicherheit verbessert hat. Auftretende Probleme und mögliche Konsequenzen wurden schon frühzeitig angesprochen, was einen schnellen Veränderungsprozess förderte.
 


 

10. Welche Herausforderungen waren – im Nachhinein betrachtet – bei der Einführung und Umsetzung von AMS BAU in Ihrem Unternehmen am größten?

Am schwierigsten war es, die alten Gewohnheiten abzulegen und sich auf Veränderungen einzulassen bzw. deren Sinn immer wieder bewusstzumachen.
 



11. Welche Ratschläge würden Sie anderen Unternehmen geben, die ebenfalls AMS BAU als AMS-Standard einführen wollen?

Die rechtzeitige Einbindung der Beschäftigten ist aus unserer Sicht das Wichtigste, denn nur, wenn sie tatsächlich die Arbeitssicherheit im Arbeitsalltag verankern, können langfristig Gefährdungen vermieden werden.


Vielen Dank für das Gespräch.
 

Steckbrief WERNER companies GmbH


Branche/Gewerk:
Infrastrukturelles Gebäudemanagement


Leistungen des Unternehmens:
Durchführung von Gebäudereinigungsarbeiten nach dem Berufsbild des Gebäudereinigerhandwerks, Erbringung von Sicherheitsdienstleistungen im Sinne des § 34a GWO sowie Erbringung infrastruktureller und technischer Dienstleistungen nach den GEFMA-Richtlinien (Bsp. GEFMA 190:2004-01 Betreiberveranwortung im Facility Management) und RealFM, zusätzlich im Bereich der Automotive, insbesondere im Tätigkeitsfeld der Fahrzeugaufbereitung, -wartung, -reparatur sowie Betrieb von Bauhöfen und Lagerstätten, insbesondere Kfz-Werkstätten sowie technische Serviceeinrichtungen.


Anzahl Beschäftigte:
1.093


Auftraggeber (öffentlich/privat/Industrie):
70 % gewerblich, 30 % öffentliche Auftragsgeber aus Bund, Land und Gemeinden


durch die BG BAU begutachtet seit:
11.10.2013
 

Autor

Ausgabe

BauPortal 1|2021