Radon als chemisches Element des Periodensystems, dargestellt in einem Kreis mit Ordnungszahl und Atomgewicht. Vom Kreis abgehend verbundene Linien mit kleinen Kreisen in einer 3D-Darstellung.
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Elektrische Gefährdung

Schutz vor ionisierender Strahlung: Radon

Die Berufsgenossenschaften haben die DGUV Info 203-094 „Radon“ veröffentlicht. In „Radonvorsorgegebieten“ ist die zu erwartende Belastung durch das Gas besonders hoch: Dort ist in überdurchschnittlich vielen Gebäuden eine hohe Radon-Konzentration zu erwarten, die den Referenzwert von 300 Becquerel pro Kubikmeter (Bq/m³) in der Raumluft überschreitet.
 

Radonvorsorgegebiete

Wer in Radonvorsorgegebieten Arbeits­plätze in solchen Räumen einrichtet oder betreibt oder dort regelmäßig Arbeiten durchführen lässt, muss dies in der Gefährdungsbeurteilung berücksichtigen und Messungen der Strahlungsaktivität durch eine zertifizierte Stelle durchführen lassen.

Aktuelle Informationen stellt auch das Bundes­amt für Strahlenschutz zur Verfügung:

Radon-Karte Deutschland

Radon-Vorsorgegebiete

Anerkannte Messstellen

 

Schätzung und Messung der Strahlenbelastung

Radon-Messungen benötigen einen längeren Zeitraum und es ist mit relativ geringen Kosten unter 100 € zu rechnen. Aus dem Ergebnis der Messungen ergibt sich die weitere Verfahrensweise. Wenn der Referenzwert von 300 Bq/m³ überschritten wird, sind in Räumen, die ganzjährig und arbeitstäglich acht Stunden genutzt werden, Maßnahmen zur Senkung der Belastung ge­boten.

Zunächst sollte in diesen Fällen die effektive Strahlendosis in Milli-Sievert (mSv) abgeschätzt werden. Diese Dosis kann aus der geplanten Expositionszeit und dem ermittelten Messwert einfach, z. B. von jeder Fachkraft für Arbeitssicherheit, aber auch von der Unternehmensleitung über die folgende Beziehung bestimmt werden:
 

                  Expositionszeit (Stunden/Jahr) . Messwert (Bq/m3) 
 Eeff          ___________________________________________    =    mSv
                                                                     320 000

 
Wird der für Deutschland geltende allgemeine Grenzwert von 1 mSv pro Jahr nicht erreicht, sind keine besonderen Maß­nahmen erforderlich, wobei regelmäßiges Lüften immer sinnvoll ist.
 

Schutzmaßnahmen bei Grenzwertüberschreitung der effektiven Strahlendosis

  • Im Bereich von 1 mSv bis 6 mSv sind mindestens organisatorische Maßnahmen erforderlich: Lüften vor Beginn der Arbeit und dann in regelmäßigen Abständen muss organi­siert und kontrolliert werden. Eine mögliche Senkung der Expositionszeiten soll geprüft werden. Die Durch­führung technischer Maßnahmen wird empfohlen.

  • Bei Überschreitung von 6 mSv bei der Strahlendosis sind Sofortmaßnahmen einzuleiten und anschließend technische Maßnahmen zu planen und durchzuführen. Die Arbeiten bzw. der Arbeitsplatz ist bei der für den Arbeitsschutz zuständigen Landesbehörde zu melden, die, abhängig von der Belastung, weitere Vorgaben machen kann. So können Dosimetrie, Vorsorgeuntersuchungen oder die Bestellung von Strahlenschutzbeauftragten erforderlich werden.

    Sofortmaßnahmen sind z. B. regelmäßiges Lüften und die Minderung der Expositionszeit. Technische Maßnahmen sind z. B. Keller­sanierungen, wobei Risse in Fundament und Wänden sowie Bauwerksdurchdringungen für Versorgungsleitungen gasdicht abgeschlossen werden. Möglich sind auch die Installation einer Lüftungsanlage oder das dauerhafte Absaugen des Radongases schon aus der Bodenluft unter dem Keller.

    Nach Abschluss der Arbeiten sind die Messungen zu wiederholen, um die Wirksamkeit der Maßnahmen zu überprüfen.

Die Infografik zeigt, wie Radon aus dem Erdboden in Keller und Erdgeschoss eines Hauses aufsteigt, wo Menschen es einatmen können.
Wege des Radons aus dem Boden an die Oberfläche
Bildquelle: Bundesamt für Strahlenschutz


Allgemeine Schutzmaßnahmen für kurzzeitige Bau- und Reinigungsarbeiten

Werden nur kurzzeitige Bauarbeiten oder auch Reinigungsarbeiten in solchen belasteten Kellern durchgeführt, sollen die Räume immer vor Arbeitsbeginn und dann in regelmäßigen Abständen gründlich gelüftet werden. Alle Arbeiten müssen staubarm ausgeführt werden, weil sich strahlende Partikel im Staub binden können und dieser nicht eingeatmet werden sollte. Wenn der Anteil solcher Arbeiten im Verhältnis zu den insgesamt auszuführenden Tätig­keiten im Verlauf eines Jahrs gering bleibt, wird eine kritische Dosis nicht erreicht.

 

Schutz in Bereichen mit wesentlich höherer Radon-Belastung

Bei Arbeiten unter Tage, z. B. im Bergbau, bei Tunnelarbeiten, in Wasseraufbereitungsanlagen, Tiefbrunnen oder auch in Radonheilstollen (Radon soll in der niedrigdosierten Strahlentherapie z. B. entzündungshemmend bei chronischen Erkrankungen des Bewegungsapparats wirken) können die Radonbelastungen wesentlich höher sein. Bei Arbeiten in diesen Bereichen kann es für Beschäftigte zu erheblichen Grenzwertüberschreitungen kommen. Die im Strahlenschutz notwendigen Maßnahmen werden dann i. d. R. von der zuständigen Landesbehörde festgelegt und von Strahlenschutzbeauftragten durchgesetzt.
 

DGUV Information 203-094
„Radon – eine Handlungshilfe zu Expositionsmessungen, zur Interpretation von Messergebnissen und zu Strahlenschutzmaßnahmen“
Bildquelle: DGUV

Die DGUV Information 203-094 „Radon – eine Handlungshilfe zu Expositions­messungen, zur Inter­pretation von Messergebnissen und zu Strahlenschutzmaßnahmen“ kann kostenfrei auf der DGUV-Webseite herunter­geladen werden. Sie bietet eine Übersicht über die gesetzliche Grundlage und stellt dar, was Radon ist, wer eine Radonkonzentrationsmessung durchführen muss, wie die Mess­ergebnisse einzuschätzen sind und welche Schutzmaßnahmen ergriffen werden können.

 

Autor

André Grimm

BG BAU Prävention
Leiter Referat Elektrische Gefährdungen und
Strahlung


Ausgabe

BauPortal 4|2021