Kurze und praxiserprobte Tipps für den Alltag

Sicheres Verhalten auf Baustellen als Selbstverständlichkeit in den Arbeitsalltag zu integrieren, ist nicht immer leicht. Deshalb hat die BG BAU 35 Tipps für den Arbeitsalltag zusammengestellt und diese unter dem Titel „Werkzeuge für sicheres Arbeiten“ in einem Ringbuch veröffentlicht. Die einfachen und kurz formulierten Tipps sollen das sichere Verhalten bei der Arbeit erleichtern. Ansatz ist es, mit kleinen Schritten eine Kursänderung in Richtung mehr Arbeitssicherheit anzustoßen.

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Obwohl der Arbeitsschutz in der Baubranche ein hohes Niveau erreicht hat, passieren immer noch zu viele Unfälle. Beschäftigte sind immer noch gesundheitlichen Gefahren ausgesetzt, die zu beruflichen Erkrankungen führen können.

Zum einen sind die Arbeitsplätze auf dem Bau besonders herausfordernd, weil sie oft wechseln und sich verändern, zum anderen fehlt auch durch Bequemlichkeit oder Unwissenheit das Bewusstsein für Gefahren und deren Vermeidung.

Deshalb ist es wichtig, sichere Verhältnisse zu schaffen und zu überlegen, was jeder Einzelne mit seinem Verhalten dafür tun kann, dass die Verhältnisse sicherer werden und sicher bleiben.

 

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Auf dem Weg zum sicheren Verhalten

Seit 2017 macht sich das Präventionsprogramm der BG BAU „BAU AUF SICHERHEIT. BAU AUF DICH.“ zur Aufgabe, Beschäftigte auf dem Bau zu sicherem Verhalten zu motivieren und so die Zahl der Arbeitsunfälle und Berufskrankheiten zu reduzieren. Beschäftigte werden für Gefahren und Risiken am Arbeitsplatz sensibilisiert und ihre Risiko- und Gesundheitskompetenz erhöht. So lernen sie, ihr Handeln zu reflektieren und zu verändern.

Ein erster Schritt, dieses Ziel zu erreichen, ist die Unterzeichnung der „Betrieblichen Erklärung“ für gelebte Sicherheit bei der Arbeit. Mit der Betrieblichen Erklärung geben sich alle im Unternehmen – von der Geschäftsleitung bis zum Azubi – das Versprechen, gemeinsam Verantwortung für Sicherheit und Gesundheit zu übernehmen. Allerdings klafft zwischen der Willensbekundung durch die Unterzeichnung und der Umsetzung im Alltag oft eine Lücke. Das war der Anlass für die Entwicklung der „Werkzeuge für sicheres Arbeiten“.

 

Die Tipps: praxiserprobt und kurz

Insgesamt 35 Tipps hält die praktische Sammlung für verschiedene Themenbereiche bereit. Bei der Entwicklung und der Auswahl der Tipps wurden zahlreiche Versicherte der BG BAU befragt – die Experten aus der Praxis.

Wichtigstes Kriterium für die Aufnahme eines Tipps war, dass er praxiserprobt sein muss. Außerdem musste sich der Tipp wissenschaftlich begründen lassen. Dabei wurden Hintergründe aus den Arbeitswissenschaften genauso berücksichtigt wie psychologische Theorien. Ebenso wichtig war auch ein formales Kriterium: Der Tipp musste auf 1.000 Zeichen gekürzt – damit er auf eine Seite passt – immer noch verständlich sein.

 

35 Tipps für die Themenbereiche

→ Sichere Verhältnisse schaffen

→ Sicheres Verhalten fördern

→ Psychologisches Wissen für den Arbeitsalltag

→ Das Präventionsprogramm BAU AUF SICHERHEIT. BAU AUF DICH.

→ Angebote der BG BAU

 

 

Bei jedem Tipp werden Anlass, Idee und Hintergrund aufgeführt. Hier beispielhaft die Tipps 3 und 23.
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Bei jedem Tipp werden Anlass, Idee und Hintergrund aufgeführt. Hier beispielhaft die Tipps 3 und 23.
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In fünf Minuten zu mehr Arbeitssicherheit

Durch die Kürze der Tipps und ihre wissenschaftliche Fundierung ergibt sich ein interessanter Effekt. Einerseits lässt sich jeder Tipp in weniger als fünf Minuten erfassen und lesen. Andererseits werden sich erst auf lange Sicht positive Veränderung im Hinblick auf das sichere Verhalten der Mitarbeiter zeigen. Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit werden zur selbstverständlichen Haltung für das ganze Team.

So sind Sicherheit und Gesundheit keine zusätzliche Last, sondern werden automatisch mitgedacht. Wenn die vielen kleinen Fehler im Alltag konsequent beseitigt werden, hat das zur Folge, dass es weniger große Probleme gibt. Denn die großen Probleme und Katastrophen entstehen häufig aus einer Aneinanderreihung vieler kleiner Probleme.

 

Adressaten und Nutzung

Vorrangig richten sich die „Werkzeuge für sicheres Arbeiten“ an die Geschäftsleitungen und Inhaber kleinerer Unternehmen. Selbstverständlich kann die Tipp-Sammlung auch für die Führungskraft eines Teams, einen Vorarbeiter, einen Polier, die Objektleitung oder für die Fachkraft für Arbeitssicherheit sehr nützlich sein. Prinzipiell eignet sie sich für jeden, allerdings unterstützt eine positive Grundhaltung die Umsetzung der Tipps besonders. Denn wer daran glaubt, dass Veränderungen möglich und realistisch sind, wird diese auch eher umsetzen.

Je nach Vorlieben stellt der eine lieber eine Frage vor oder nach der Erteilung eines Arbeitsauftrags. Der andere nutzt digitale Möglichkeiten oder bringt Verhaltenshinweise an Ort und Stelle an.

 

Umsetzung der Tipps

Welcher Tipp ausprobiert wird, ist nicht vorgeschrieben. Am sinnvollsten ist es, wenn sich der Anwender von seiner Lust und Neugierde leiten lässt. Als weiteres Auswahlkriterium sollte er einen Tipp auswählen, der ihm besonders nahe liegt und einfach erscheint.

Vor allem sollte sich der Anwender Zeit lassen – weniger kann im Fall der Verhaltensänderung sogar mehr sein – und sich selbst und seine Mitarbeiter bei der Umsetzung des Tipps beobachten. Erst wenn positive Veränderungen wahrgenommen werden, wird sich ein Tipp im Alltag als selbstverständliches Verhalten etablieren. Das kann schon mal 30 Tage dauern. Nach einem Jahr kann man von einer ersten Stabilisierung des Verhaltens sprechen und nach drei Jahren ist sicheres Verhalten allen in Fleisch und Blut übergegangen. Natürlich kann man auch früher als nach 30 Tagen mit einem neuen Tipp weitermachen.

Es geht also nicht um die Menge der umgesetzten Tipps. Schon einer der Tipps, der gemeinsam und konsequent umgesetzt wird, kann auf lange Sicht der den Unterschied ausmachten, um ein sicheres Unternehmen zu sein.

 

Rückmeldung aus der Praxis

Am wichtigsten ist die Feststellung, dass die „Werkzeuge für sicheres Arbeiten“ kein Selbstläufer sind. Es braucht immer jemanden, der sich um die Umsetzung kümmert und sich verantwortlich fühlt. Jemand, der die Haltung für Sicherheit und Gesundheit für alle erlebbar macht. Auch wenn die technischen und organisatorischen Lösungen heute schon sehr gut sind, am Ende steht immer ein Mensch vor oder hinter der Maschine. Nur durch achtsames und sicheres Verhalten gehen alle am Abend gesund von der Arbeit nach Hause.

Allerdings ist die Umsetzung von Sicherheit und Gesundheit in Unternehmen keine Einzelleistung, sondern Aufgabe des Teams. Erst wenn die Sicherheit der Kollegen genauso wichtig ist wie die eigene, wird Sicherheit für alle die bestimmende Haltung bei der Arbeit.

Besonders erfreulich ist die Rückmeldung, dass einzelne Tipps bzw. Werkzeuge nicht neu sind – „… das machen wir zum Teil schon seit Jahren so und das funktioniert auch so …“ Das zeigt, dass in vielen Unternehmen sicheres Verhalten etabliert ist. Hier ist auch die Bereitschaft sehr groß, den einen oder anderen neuen Tipp auszuprobieren.

 

Autorin

Dipl.-Psych. Sonja Berger

Referat Psychologie und Gesundheit
Abt. Gesundheit
BG BAU Prävention


Ausgabe

BauPortal 4|2020