Deutsch-französisches Forum in Straßburg zu den neuen Herausforderungen für die Prävention

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Am 21. November 2019 fand im Europäischen Parlament in Straßburg das deutsch-französische Forum unter der Überschrift „Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit: Neue Herausforderungen für die Prävention“ mit etwa 170 Teilnehmern statt. Hier wurde auf bilateraler Ebene Bilanz gezogen, wie der Wandel der Arbeitswelt bisher begleitet wurde und wie man auf alte und neue Risiken in der Arbeitswelt reagiert.

Deutsch-französisches Forum am 21. November 2019 in Straßburg
Deutsch-französisches Forum am 21. November 2019 in Straßburg
Bildquelle: Euro-Institut
Thierry Fassenot widmete sich der Prävention von Muskel-Skelett-Erkrankungen.
Thierry Fassenot widmete sich der Prävention von Muskel-Skelett-Erkrankungen.
Bildquelle: Euro-Institut
Deutsch-französisches Forum am 21. November 2019 in Straßburg
Deutsch-französisches Forum am 21. November 2019 in Straßburg
Bildquelle: Euro-Institut

Das deutsch-französische Forum feierte bei der Veranstaltung im November gleich zwei Jubiläen: sowohl 100 Jahre Internationale Arbeitsorganisation (ILO) als auch das Jubiläum des 25-jährigen Bestehens der deutsch-französischen Arbeitsgruppe „Arbeitsschutz über Grenzen hinweg“.

Die ILO ist ist eine der ältesten, noch bestehenden internationalen Organisationen und hat mit 189 ratifizierten Konventionen, die das Leben von Millionen Menschen am Arbeitsplatz verändert haben, sowie 202 angenommenen Empfehlungen einen beträchtlichen Anteil an der Gestaltung von Gesundheit und Sicherheit bei der Arbeit. Die deutsch-französische Arbeitsgruppe „Arbeitsschutz über Grenzen hinweg“ besteht seit 1994. Seither treffen sich die deutschen und französischen Akteure des Arbeitsschutzes, unterstützt durch das Institut für grenzüberschreitende Zusammenarbeit (Euro-Institut, Kehl) zum Austausch, um das gegenseitige Verständnis und eine bessere Zusammenarbeit zu fördern.

Arbeitsgruppe „Arbeitsschutz über Grenzen hinweg“

Die Arbeitsgruppe setzt sich aus Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen der französischen und deutschen staatlichen Gewerbeaufsicht links und rechts des Rheins (Grand l’Ést, Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz), der französischen Assurance maladie und der deutschen DGUV, Landesverband Südwest sowie einiger Berufsgenossenschaften zusammen. Jedes Jahr behandelt die Arbeitsgruppe ein neues Thema. Die Arbeitsgruppe trifft sich sechs bis acht Mal im Jahr und wird bei Bedarf von Experten des jeweiligen Themas unterstützt. Die jeweiligen Themen werden jeweils so bearbeitet, dass ein Vergleich zwischen den gesetzlichen Vorgaben in Frankreich und Deutschland stattfindet und Gemeinsamkeiten und/oder Unterschiede zwischen den benachbarten Staaten dargestellt werden.

Ziel ist, eine bessere Kenntnis des Systems des Nachbarlands zu erwerben und den Austausch von Informationen und Best Practices zu fördern. Weiterhin erarbeiten die Akteure grenzüberschreitende Lösungen im Zusammenhang mit der Freizügigkeit der Arbeitnehmer. Schließlich sollen die Ergebnisse in binationalen Foren möglichst vielen Personen übermittelt werden.

Die Plattform für diesen Austausch ist das jährlich stattfindende deutsch-französische Forum, das sich an Arbeitsschutzexperten, Aufsichtspersonal der Gewerbeaufsicht und der (gesetzlichen) Unfallversicherungsträger, Sozialversicherungsträger, Betriebs- und Werkärzte, Sozialpartner, Betriebe, Personalverantwortliche, Arbeitspsychologen sowohl aus Frankreich als auch aus Deutschland richtet.

Bei der Veranstaltung am 21. November ging es um die Herausforderungen, die eine sich im Wandel begriffene Arbeitswelt hinsichtlich Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit hervorbringt.

Arbeitswelt im Wandel: Bilanz der Akteure

Im ersten Teil des Forums, der den Titel „Arbeitswelt im Wandel: Bilanz der Akteure“ trug, referierten und diskutierten auf dem Podium Cyril Cosme, französischer Direktor der ILO, Dipl.-Ing. Dipl.-Wirtschaftsingenieur Reinhard Wallater, Verbandsingenieur und Sicherheitsingenieur, Südwestmetall e. V., sowie Claudia Menne vom DGB-Bundesvorstand.

Anschließend berichteten Mitarbeiter der Arbeitsgruppe „Arbeitsschutz über Grenzen hinweg“ – Carine Loewenguth, Direccte Grand Est, Julia Morelle, Landratsamt Ortenaukreis, Jacques Balzer, Carsat Alsace-Moselle, und Gélase Havyarimana, Batiroc Protect – unter dem Titel „Austausch seit 25 Jahren“ rückblickend über die Arbeit und die erzielten Ergebnisse. Wurden die Themen in den Anfangsjahren der Arbeitsgruppe anlassbezogen gewählt, erfolgt die Themenauswahl derzeit auf Basis nationaler Arbeitsschutzprogramme.

Um die Unterschiede der jeweiligen Systeme und bei der Verteilung der Zuständigkeiten darzustellen, wurde eine Dokumentation in deutsch-französischer Sprache erstellt, die online auf der Website des Euro-Instituts (www.euroinstitut.org) verfügbar ist. Außerdem wurde quasi als nützliches Nebenprodukt ein Glossar erarbeitet und regelmäßig ergänzt, in dem Wörter und Ausdrücke aus der beruflichen Praxis gelistet sind, für die es in bestehenden Werken keine relevanten Übersetzungen gibt. Dieses Instrument wurde anlässlich des diesjährigen Forums zur Verfügung gestellt.

Beispiele neuer Herausforderungen in der Prävention

Der zweite Teil des Forums widmete sich dem „Wandel in der Arbeitsorganisation, den Auswirkungen auf die Gesundheit sowie damit in Zusammenhang stehenden bekannten und neuen Risiken“.

Wandel in der Arbeitsorganisation

Über das Thema Arbeitsorganisation im Wandel und Digitalisierung referierte Michèle Forté vom Institut du Travail de Strasbourg. Im Anschluss betrachtete Prof. Dr. Kerstin Rieder von der Hochschule Aalen in ihrem Vortrag mobiles Arbeiten zwischen Arbeitsfreude und interessierter Selbstgefährdung.

Auswirkung auf die Gesundheit

Thierry Fassenot von der CNAM (Caisse Nationale d’Assurance Maladie) setzte sich mit MSE (Muskel-Skelett-Erkrankungen) auseinander und stellte einen speziellen Präventionsansatz vor. TMS Pros (MSE für Profis) setzt auf Prävention und überzeugte mehr als 6.000 Unternehmen.

Bekannte und neue Risiken

In diesem Vortragsteil stellten Experten aus Frankreich und Deutschland den Kenntnisstand zu Risiken, mit denen die Arbeitswelt konfrontiert ist, dar.

Myriam Ricaud vom INRS sprach über Nanowerkstoffe, Dr. Charles Dazzan von der Tesat-Spacecom GmbH über Schwermetalle, Jean-Christophe Blaise, ebenfalls von INRS, über kolloborative Robotertechnik sowie Dipl.-Biol. Janett Khosravie-Hohn von der BG BAU über die Auswirkungen solarer UV-Strahlung und die Möglichkeiten der Prävention.

Fazit

Im Rahmen des deutsch-französischen Forums sind zahlreiche Informationen zur bisherigen gemeinsamen Präventionsarbeit, zu grundlegenden Änderungen in der Arbeitswelt und zu bekannten und neuen Risiken vorgetragen und diskutiert worden. Das große Interesse daran, Fragen, Probleme und Lösungen gemeinsam anzugehen, zeigte, dass hier „Arbeitsschutz über die Grenzen hinaus!“ betrachtet wird.

Autor

Dipl.-Ing. Thomas Graf

BG BAU Prävention


Ausgabe

BauPortal 2|2020