Die sicheren Elf: die Interview-Serie zu AMS BAU

Lächelnder älterer Mann mit kurzen Haaren und Dreitagebart in schwarzem Hemd und dunkelblauem Jacket
Holger Lösch ist Geschäftsführer für die Ressorts Personal, Finanzen, TQM und Recht.
Bildquelle: Dorfner-Gruppe
Bildquelle: BG BAU

AMS BAU ist ein branchenspezifisches Arbeitsschutzmanagementsystem (AMS) der BG BAU, das Unternehmen der Bauwirtschaft und baunaher Dienstleistungen in elf Arbeitsschritten strukturiert und ganzheitlich an die Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit heranführt und mit einer freiwilligen Begutachtung nach AMS BAU abschließt. Seit 2019 bietet die BG BAU an, gleichzeitig mit einer AMS-BAU-Begutachtung auch die Anforderungen nach der weltweit geltenden Norm DIN ISO 45001 an ein AMS kostenfrei zu überprüfen. Dies ermöglicht Unternehmen somit auch international den Nachweis ihres AMS, z. B. bei Ausschreibungen und Auftragsvergaben.
 

Zahlreiche Mitgliedsunternehmen der BG BAU haben das Angebot der Begutachtung nach AMS BAU und DIN ISO 45001 bereits genutzt und berichten über ihre Erfahrungen.

Diesmal im Interview:

Holger Lösch, Mitglied der Geschäftsführung, Dorfner Gruppe

 

1. Welche Gründe hatten Sie für die Einführung eines Arbeitsschutzmanagementsystems (AMS) in Ihrem Unternehmen?

Nachhaltiger Arbeitsschutz und damit die Vermeidung von Unfällen haben in unserer Unternehmensgruppe absolute Priorität. Gerade in Dienstleistungsunternehmen ist das Personal das höchste Gut, nicht zuletzt haben wir das ganz besonders auch in der Pandemie erfahren. Die Verantwortung unserer Firmengruppe, die sich daraus für unsere Mitarbeiter ergibt, kann man nicht hoch genug einschätzen und hat oberste Priorität. Die Gesundheitsvorsorge, die Gründung einer Stiftung für in Not geratene Menschen und Mitarbeiter (Sinan-Akdeniz-Stiftung), Mitarbeiterbenefiz und nicht zuletzt die Einführung eines wirksamen Arbeitsschutzmanagements ist die daher die logische und konsequente Umsetzung dieses Grundsatzes. Zudem sind wir davon überzeugt, dass wir dadurch auch unsere Arbeitgebermarke nachhaltig steigern können. Das ist im Wettbewerb um Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ein wichtiger Aspekt.

 


 

2. Warum haben Sie sich bei der Begutachtung für eine Kombination aus AMS BAU und DIN ISO 45001 entschieden?

Weil wir einerseits von den Inhalten beider Instrumente überzeugt sind, andererseits aber auch durch unsere internationalen Geschäftsaktivitäten sehen, dass der Bekanntheitsgrad der Systeme unterschiedlich ausgeprägt ist. Mit der Kombination sind wir branchen- und länderübergreifend sehr gut positioniert.

 


 

3. Wie haben Ihre Beschäftigten die Einführung von AMS BAU wahrgenommen? Beteiligen sie sich jetzt z. B. mit entsprechenden Verbesserungsvorschlägen?

Die Akzeptanz und die aktive Teilnahme sind stark ausgeprägt. Das freut uns sehr. Ich denke, dass die Tatsache, dass wir AMS Bau bereits im Jahr 2007 im Unternehmen eingeführt haben, daran einen großen Anteil hat.

 


 

4. Wie hat Ihnen die BG BAU bei der Einführung und Umsetzung von AMS BAU geholfen?

Die uns zur Verfügung gestellten Unterlagen wie Umsetzungsleitfaden und Checkliste sind top und haben uns sehr geholfen. Dazu kommt ein enger Kontakt zu unseren Ansprechpartnern bei der BG BAU. Gerade, wenn es um Neuerungen geht, ist dies ein sehr wichtiger Faktor.

 



5. Wie wurden Sie von der BG BAU zum Aufbau einer geeigneten Organisation, zum Beschaffungsvorgang oder zur Auswahl von Nachunternehmen beraten?

Wir sind bereits seit Jahren nach DIN EN ISO 9001 zertifiziert. Der Beschaffungsvorgang sowie die Auswahl von Nachunternehmern waren daher bereits im Unternehmen etabliert, sodass keine Beratung diesbezüglich benötigt wurde.

 


 

6. Wie wirken sich die durch AMS BAU festgelegten Anforderungen an Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit, bei der Beschaffung oder der Beauftragung von Nachunternehmern aus?

Da wir zum überwiegenden Teil unsere Tätigkeiten in Eigenleistung erbringen, spielt der genannte Aspekt nur eine untergeordnete Rolle. Die wenigen Nachunternehmer, die wir einsetzen, werden unseren Anforderungen nachprüfbar gerecht.

 



7. Wie hat Sie die BG BAU bei der Vermeidung oder Verminderung von Gefährdungen unterstützt?

Wenn sich bei der Einführung neuer Verfahren oder Änderungen im Managementsystem Fragen ergeben, binden wir die BG BAU gerne in die Lösungsfindung mit ein. Das funktioniert hervorragend.

 


 

8. Welche wichtigsten Maßnahmen haben sich durch die Begutachtung Ihres Unternehmens nach AMS BAU ergeben?

Wir bekommen durch die Begutachtung immer wieder wichtige und neue Impulse. Die beiden wichtigsten Aspekte bei der letzten Begutachtung betreffen die zukünftige Betrachtung von Beinahe-Unfällen und die nochmal strengere Nachverfolgung von Unfällen, insbesondere deren Ursachenanalyse.

 


 

9. Wie haben Sie den arbeitsmedizinischen Dienst und Fachkräfte für Arbeitssicherheit in AMS BAU eingebunden und welche Erfahrungen haben Sie daraus für sich abgeleitet?

Betriebsarzt und alle Sicherheitsfachkräfte des Unternehmens kommen in den regelmäßig stattfindenden ASA-Sitzungen zusammen. Hier werden das aktuelle Unfallgeschehen beleuchtet und mögliche Maßnahmen thematisiert. Außerdem werden Veränderungen von Gesetzen und Verordnungen und deren Umsetzung im Unternehmen besprochen.

 


 

10. Welche Herausforderungen waren – im Nachhinein betrachtet – bei der Einführung und Umsetzung von AMS BAU in Ihrem Unternehmen am größten?

Die größte Herausforderung ist es, alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vom Arbeitsschutz zu überzeugen und sie für Gefahren zu sensibilisieren, auch wenn die Auswirkungen im ersten Moment nicht sichtbar sind.

 



11. Welche Ratschläge würden Sie anderen Unternehmen geben, die ebenfalls AMS BAU als ein AMS-Standard einführen wollen?

Die Führungskräfte im Unternehmen müssen sich ihrer Verantwortung im Arbeitsschutz bewusst sein und mit gutem Beispiel vorangehen. Nur so ist möglich, ein erfolgreiches und langfristiges Arbeitsschutzmanagement einzuführen.

Vielen Dank für das Gespräch.

 

Steckbrief Dorfner Gruppe


Branche/Gewerk:
Gebäudedienstleistung


Leistungen des Unternehmens:
Gebäudereinigung, Catering, Gebäudemanagement


Anzahl Beschäftigte:
10.605


Auftraggeber:
Öffentliche Hand und Privatwirtschaft


durch die BG BAU begutachtet seit:
2007
 

Autor

Ausgabe

BauPortal 4|2021